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Wustrower Metallkünstler
Wustrow. Wenn man seinem Nachnamen glaubt, sollte man meinen, dass er mit der kalten Jahreszeit besonders gut kann.
Aber Rene Winter ist froh, dass jetzt endlich die ersten Sonnenstrahlen die Luft erwärmen und er nicht mehr eingemummelt wie ein Astronaut seine Wustrower Werkstatt betreten muss. Teilweise war die Quecksilbersäule des Thermometers dort im Winter auf minus 9 Celsius gesunken. Doch das Gröbste ist überstanden, und trotz der Kälte war der Metallkünstler, der sich durch den Schaffensprozess der Strelitzie am Neustrelitzer Kreisel Semmelweisstraße schon in jungen Jahren ein Aushängeschild geschaffen hat, das seinesgleichen sucht, nicht untätig. Aktstudien sind es, die ihn seit Jahren interessieren und mit denen er sich jetzt intensiver befasst hat. "Seit ich 22, 23 Jahre alt war, habe ich mich daran versucht, aber es fehlte die Erfahrung, jetzt bin ich soweit, dass ich an die Öffentlichkeit gehen kann", sagte er im Nordkurier-Gespräch. Auf der Werkbank liegen in Einzelteile zerlegte eingegraute Gipsmodelle winziger nackter Körper, die auf selbst gefertigten Zeichnungen basieren. Das stählerne Original auf einem Nebentisch kommt dagegen glanzvoll daher. Obwohl es noch nicht fertig ist, löst es eine gewisse Faszination beim Betrachter aus. Vielleicht, weil ein so harter Werkstoff für etwas Verwendung findet, das eigentlich vom Gefühl her weich und geschmeidig sein müsste. Die Skulptur im Nebenraum, die Rene Winter mit dem Märchen vom Froschkönig in Verbindung bringt, stammt dagegen aus früheren Jahren. Sie kommt sehr viel kantiger daher. Auch wenn hier bewusst Rundungen und Spitzen miteinander in Beziehung gestellt sind. Vieles, was in der Werkstatt des 30-Jährigen entstanden ist, hat bereits Liebhaber oder neue Besitzer gefunden, so wie das riesige Tintenfass mit der überdimensionalen Feder, das in der Europaschule in Neubrandenburg das Foyer ziert. Schon als Kind hatte der aus Wesenberg stammende junge Mann künstlerische Ambitionen, obwohl er beruflich zunächst eine technische Laufbahn einschlug, als Heizungsbauer und Schweißer handwerkliche Fähigkeiten erlernte, durch die er erstmal in die Lage versetzt wurde, seine Kreativität auszuleben. Als Kind hatte er gern gezeichnet, später dann mit Ton gearbeitet, aber erst als er mit Stahl in Berührung kam, spürte er, welche Richtung er einschlagen wollte. "Über meinen Beruf bin ich ans Material gestoßen, das hat in mir etwas entfächert, mir wurde klar, Punkt 1, womit ich arbeiten möchte, und Punkt 2, was ich damit mache." Zuerst hat Rene Winter Möbel gebaut. Die zwei überdimensionalen Throne und eine Bar, die in ein Tuch gehüllt in der Werkstatt stehen, künden von dieser Zeit. "Ich habe mich probiert, das Material Stahl kennengelernt, jetzt wo wir per Du sind, das Material und ich, kann ich es nutzen und themenbezogen arbeiten." Doch Verwendung findet nicht nur Stahl, er wird auch in Kombination mit Holz oder beispielsweise Leder eingesetzt. Auf dem "Majorshof" in Wustrow, den Rene Winter als künstlerische Heimat gewählt hat, ist eine Auswahl seiner Werke ausgestellt. Darüber hinaus wird er übers Jahr auch in der Region wieder mit Expositionen präsent sein, wenngleich er Einzelheiten noch nicht verraten wollte.
Quelle: Nordkurier vom 06.04.2010




