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Seit 85 Jahren dem Rudern verschrieben


Mirow. Nein, verdient hatten sie es nicht, die Ruderer. Wochenlang ist schönster Sonnenschein.

 

Und just an dem Tag, als sie ihr 85-jähriges Bestehen auf dem Vereinsgelände am Mirower See feiern wollten, zeigt sich der Himmel wolkenverhangen. Aber das alles konnte den derzeit 54 Mitgliedern des Rudervereins "Blau-Weiß" Mirow e.V. nichts anhaben. Bereits am Vormittag wurde gut gelaunt begonnen, das Gelände zu schmücken, das Volleyballfeld anzulegen und die Boote fürs Schnupperrudern am Sonnabend Nachmittag herzurichten. Gegründet worden ist der Verein 1925. Einige Mirower, darunter Carl Lusch von der Schlossbrauerei, Friedrich Schenkel vom Sägewerk, Zahnarzt Fritz Ladwig, Fotograf Rehberg sowie Ernst Funk als Möbeltischler, ergriffen die Initiative und hoben den "Mirower Segel- und Ruderverein" (MSRV), wie er damals hieß, aus der Wiege. Drei Zweier, "Hanne Nüte", "Fritz Reuter", und "Jochen Nüssler", sowie ein Vierer, "Onkel Bräsig" gehörten zur Ausstattung im Bootshaus auf dem Gelände des Stadtparks. Im Vereinsemblem prangte das Johanniterkreuz. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Verein erst wiederbelebt, als Lehrer Paul Wolter 1956 die Arbeitsgemeinschaft (AG) Rudern gründete. Die ersten Boote kamen nun von der Schiffswerft Rechlin. Das Bootshaus war ein einfacher Bretterschuppen am Herrensteig. Und schon bald wurde das blaue Kleeblatt zum Emblem, eine Abwandlung des Johanniterkreuzes, das in der DDR als Vereinssymbol nicht zugelassen war, wie der Chronik zu entnehmen ist. 1959 wurde die AG Rudern zur "Sektion Rudern" der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor Mirow. Das alte Bootshaus war baufällig und zu klein. Nach langem Suchen und "Kampf" mit städtischen Behörden bekam die Sektion schließlich einen Platz am Stadtpark zugesprochen - am Ursprungsort. Das neue Bootshaus war eine ehemalige NVA-Baracke mit Steinfundament. Enormen Aufschwung nahm die Sektion ab 1972, als Mirow Trainingszentrum für den Nachwuchsleistungssport wurde, was auch den Fluss des Geldes begünstigte. 1972/73 wurde das Bootshaus komplett neu gebaut. Es besteht jetzt aus drei Bootshallen mit Sanitärtrakt, Versammlungsraum und Küche. Um die 80 Kinder tummelten sich zeitweise auf dem Gelände. In den Jahren bis zur Wende hatten die Mirower Ruderer viele beachtliche Erfolge aufzuweisen. Doch mit der Wende blieben staatliche Unterstützungen aus - und auch die Kinder. Etwas, was sich bis heute nicht geändert hat, nicht zuletzt, weil Mirow keine weiterführende Schule mehr hat.Den Namen "Blau-Weiß" Mirow e.V. trägt der Ruderverein seit 17. Juli 1990. 102 Bootsplätze stehen in den derzeit 27 Wanderruderbooten und 36 Rennbooten zur Verfügung. Potenzial, das auch wieder von Jugendlichen genutzt werden sollte, wie Vereinsvorsitzender Michael Kullack meint, der erst in diesem Jahr das Zepter von Karl-Heinz Wegner übernommen hat. 16 Jahre lang hatte sein Vorgänger den Vorsitz inne, und auch jetzt sei Karl-Heinz einer der Wichtigsten "an Bord". Schließlich kümmert er sich um die Rekonstruktion der Boote. "Alle paar Jahre müssen sie komplett entlackt werden", weiß Michael Kullack um den Arbeitsaufwand. Seit 1963 schon ist Karl- Heinz Wegner bei den Ruderern aktiv, damit aber noch längst nicht längstes Vereinsmitglied. Der Mirower Bernd Schwenke gehört der Gemeinschaft seit 1959 an, der ehemalige Mirower Rolf Rebstock, der heute bei Mölln zu Hause ist und im August seinen 80. Geburtstag feiert, war schon vor dem Krieg in Mirow am Ball, pardon Ruder. Bei Dia-Show, Kuchen, Kesselgulasch und Gegrilltem ließen es sich die Ruderer am Sonnabend gut gehen. Und auch einige Gäste, darunter Ehemalige und vielleicht künftige Vereinsmitglieder, schauten vorbei. Wer um die 15 Jahre alt ist und sich fürs Rudern interessiert, kann sich beim Vereinsvorsitzenden melden: Tel.: 039833 26472.

 

Quelle: nordkurier vom 25.07.2010




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