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„Aufträge sollen in der Stadt bleiben“


Mirow. Eigentlich hätte man an diesem Abend erwarten können, dass die Mirower Unternehmer ihr Herz an den Bürgermeister gewandt ausschütten würden – und nicht umgekehrt.

Etliche Gewerbetreibende waren am Mittwoch Abend in den Versammlungsraum der Fenster- & Türenbau Edwin Kubasch GmbH am Produktionsstandort Peetscher Weg gekommen. Sie folgten damit einer Einladung des BERATERhauses Neustrelitz, sprich der Matussek Walte Hirsch Steuerberatungsgesellschaft mbH. Diese hatte unter der Überschrift: „Was behindert die unternehmerische Tätigkeit in unserer Stadt“ einen Gesprächsabend mit dem Bürgermeister Norbert Pape (CDU) organisiert. Dann kam es jedoch erstmal ganz anders.
Norbert Pape, der um einen einführenden Bericht gebeten wurde, gab das Wort so schnell nicht wieder aus der Hand und holte weit aus, was die finanzielle Situation in der Stadt anbelangt. Denn um die ist keinesfalls rosig bestellt, was er den Unternehmern zu verdeutlichen versuchte: Zwar konnte das Defizit im Stadtsäckel von anfangs 2,2 Millionen Euro kontinuierlich abgebaut werden bis auf zirka 550 000 Euro im Jahr 2006. Im vergangenen Jahr jedoch musste wieder ein größeres Minus verzeichnet werden, bedingt durch Auflagen, die die Stadt bekommen hat, wie Pape sagte. So galt es, die Schweinsbrücke (Hohe Brücke) und die Torhausbrücke zu sanieren. Auch hatte die Mülldeponie Schildkamp große Probleme bereitet, führte der Bürgermeister aus. Er versuchte darzulegen, wie wenig finanzieller Spielraum der Stadt angesichts solcher Zahlen bleibt und verwies auch immer wieder auf die freiwilligen Aufgaben, etwa wenn es darum geht Vereine zu unterstützen. „Ich investiere nicht, ich repariere nur“,
sagte Pape. Für die Unternehmer hätte er nur 500 Euro im Jahr mal für ein Dankeschön- Präsent zur Verfügung, „so dass die Wirtschaftsförderung nicht in dem Maße vorangetrieben werden konnte, wie wir es eigentlich wollten“. Auch ließen sich mit 150 000 Euro an Gewerbesteuereinnahmen keine allzu großen Sprünge machen (zum Vergleich: die Mirower Partnerstadt Fockbek kassiert rund 1,5 Millionen an Gewerbesteuer, vor allem auch weil dort die Hobby- Wohnwagenwerke angesiedelt sind). 95 Prozent der ansässigen Gewerbetreibenden in Mirow brauchten aufgrund geringer Einnahmen gar keine Gewerbesteuer zu zahlen, legte Pape die Situation dar. Auf die Frage aus der Runde hin „Ob es denn nicht auch etwas Positives aus Mirow zu berichten gäbe“, tat sich Pape zunächst schwer. Er wies aber auf günstig zu kaufende Gewerbeflächen hin: Für 5,11 Euro pro Quadratmeter sei Land im Angebot. Dann bekam er „Schützenhilfe“ von Stadtvertreter Carlo Schmettau (FDP), der ein Schmuckgeschäft betreibt. Als ositiven Fakt konnte er beisteuern, dass insgesamt ein Umdenken bei Stadtvertretern, Verwaltung und Bewohnern hinsichtlich der Wahrnehmung von Unternehmern erfolgt sei. Sie würden sozusagen nicht mehr als die Kapitalisten gesehen, denen man nichts gönnt, sondern vielmehr als Arbeitgeber und wichtige Wirtschaftskraft der Region.
Dann endlich meldeten sich die Unternehmer zu Wort. Ihre Sorge war vor allem die Tatsache, dass in der Vergangenheit und auch Gegenwart viele Bauvorhaben in der Stadt nicht von ansässigen Firmen ausgeführt wurden. „Die Mitarbeiter der Verwaltung sollten mehr Vertrauen zu uns Mirower Firmen haben“, hieß es aus der Runde. Lob gab es in Richtung Verwaltung bezüglich des neuen Amtsgebäudes, dessen Bau in kleinen Losen ausgeschrieben war und somit die heimischen Unternehmen zum Zuge kommen. „Das ist aber auch das erste Mal, dass das klappt“, sagte Edwin Kubasch und gab dem Bürgermeister ein „Weiter so“ mit auf den Weg.
Wolf Arnold, der Landesgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, lobte die Sachlichkeit an dem Abend und kündigte eine Neuauflage solcher Veranstaltungen an.
Demnächst wolle er auch zum Thema Wirtschaftsmediation (eine Form der außergerichtlichen Vermittlung) einladen.

 

Was noch angeregt wurde…

Die Vertreter Mirower Firmen und Interessierte trugen folgende Dinge an den Bürgermeister heran:
*es muss dafür Sorge getragen werden, dass die zu erwartende Umgehungsstraße eine Abfahrt zum Gewerbegebiet aufweist; auch die Verkehrsanbindung in die Tourismusregion Fleeth/Diemitz muss verbessert werden;
*für das Gewerbegebiet Peetscher Weg wurde ein Straßennamenschild gewünscht;
*der Internetauftritt der Stadt müsste verbessert und mehrsprachig gestaltet werden;
*die Touristinformation sollte von den Öffnungszeiten her noch flexibler auf die Touristströme reagieren können – „die Konkurrenz in Osteuropa schläft nicht“, hieß es.
*bei der Vermarktung des Schlossgymnasiums könnten Gymnasiasten als kreative Köpfe Konzepte entwickeln, so „Noch-Schüler“ Tim Kahl.

 

Quelle: Nordkurier vom 25.01.2008




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