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Einst Warnung, heute Festmusik
Mirow. Das Turmblasen vom Turm der Mirower Johanniterkirche auf der Schlossinsel hat Tradition zumindest seit dem 12. November 1993.
Denn an diesem Tag fand das erste Turmblasen statt, nachdem der Turm durch den Vereinigung Kirchturm e. V. und die Gemeinde wieder aufgebaut war. Am 1.Mai 1945 wurde die Kirche bei Kämpfen total zerstört, der 1774 errichtete Turm stürzte ein. Die Turmbläser sind Mitglieder des Posaunenchors der Kirchgemeinde, der seit 1954 besteht. Seit den 60er Jahren wird der Chor durch den heutigen Propst i. R. Joachim Thal geleitet.
Nach dem Adventskonzert stiegen die Bläser diesmal allerdings nicht auf den Kirchturm. Eisige Kälte und scharfer Wind hielten sie davon ab, sie spielten im Kirchturm. "Bei so einer Kälte frieren Blasinstrumente schnell ein, dann hätte überhaupt keine Musik erklingen können", erklärt Joachim Thal. So waren weihnachtliche Klänge also in der Kirche und durch die große geöffnete Tür auf dem Kirchhof zu hören.
Das Ensemble spielt in wechselnden Besetzungen, am Sonnabend waren es sechs Bläser. Klänge vom Turm erklingen auch bei festlichen Veranstaltungen und Festgottesdiensten. Ob das Turmblasen auch schon vor der Zerstörung der Kirche Tradition hatte, ist Joachim Thal nicht bekannt. "Meines Wissens gab es vor 1945 keinen Posaunenchor und damit vermutlich auch kein Turmblasen", berichtet er.
Joachim Thal spielt Trompeter, das Spielen dieses Instruments hatte er seit 1948 autodidaktisch erlernt. Im Mittelalter hatten Turmbläser (auch Türmer oder Turmwächter genannt) die Aufgabe, vom höchsten Turm aus die Stadt oder Burg vor Gefahren zu warnen. Zu den zu meldenden Gefahren gehörten herannahende Truppen und Banden, aber auch Brände, die wegen der Enge der Städte, der verbreiteten Holzbauweise und des lange als Brennmaterial verwendeten Torfs, dessen Asche relativ lange nachglüht, sehr gefährlich waren.
Quelle: Nordkurier vom 22.12.2010




