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Munitionsbergung in 2010


Mirow. Die Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern, Außenstelle Mirow, blicken auf ein arbeitsintensives Jahr zurück.

 

Rund 300 Tonnen Munition wurden "allein im Mirower Bereich", wie Sprengmeister Fred Tribanek sagt, geborgen und vernichtet beziehungsweise zwischengelagert. Gemeint ist jenes Gebiet, das von den derzeit acht Mitarbeitern der Außenstelle Mirow "beackert" wird. Es entspricht in etwa dem Bereich des ehemaligen Bezirkes Neubrandenburg, zuzüglich des Rostocker Stadtgebietes.

So mussten die Kollegen im vergangenen Jahr zu insgesamt 84 Soforteinsätzen ausrücken. Das heißt, in 84 Fällen wurden sie gerufen, weil jemand etwas Verdächtiges gefunden hat - bei Bauarbeiten, beim Spazierengehen oder beim Buddeln auf dem eigenen Hof. Etliche Granaten und Bomben mussten noch vor Ort gesprengt werden, weil sie nicht transportfähig waren. 15 solcher Sprengungen hat Fred Tribanek in seinem Aufzeichnungsbuch vermerkt. Dabei handelt es sich aber nicht um Einzelsprengungen, sondern um angesetzte Sprengaktionen, bei denen durchaus 10, 15 oder auch 25 Granaten in die Luft gejagt und somit unschädlich gemacht wurden. Gut die Hälfte der angesetzten Sprengungen wurden an Bomben vorgenommen. Unfalltechnisch ist glücklicherweise alles glatt gegangen, aber vor "Kuriositäten", wie Fred Tribanek die Begebenheiten nennt, blieben die Mitarbeiter nicht gefeit. So war der Sprengmeister mit seinem Team des Öfteren auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Tutow im Einsatz. Dort sollte ein großes Solarfeld aufgebaut werden. Und bei den Bauarbeiten wurde durch die Bauleute mehrmals Munition entdeckt. Die heikle Ware sollte vor Ort durch eine Sprengung entschärft werden. Allerdings gab es auf dem einstigen Übungsplatz keinerlei Deckung: keinen Baum, keinen Strauch. So veranlasste der Sprengmeister in Absprache mit den Baufirmen, dass ihm eine Fuhre Sand abgeladen wird, sozusagen als Schutzschild. Die Sprengschnur sei 150 Meter lang, gab Fred Tribanek den Bauleuten noch mit auf den Weg. Diese taten, wie ihnen geheißen. Als Fred Tribanek am Tag darauf wieder kam, war der Haufen ordnungsgemäß angelegt. Was der Sprengmeister nicht ahnte, seine Schnur war diesmal nur 130 Meter lang. Den Haufen zu versetzen, undenkbar! "So musste Schnur angeknüppert werden", denkt der Sprengmeister heute recht amüsiert an den Vorfall zurück, der ihm seinerzeit einige Nerven kostete.

Doch es gibt noch mehr zu berichten aus der Serie Pannen und Pleiten. Ein anderes Mal, ebenfalls auf dem Übungsplatz Tutow, war eine amerikanische Fliegerbombe von 250 Kilogramm zu entschärfen. Die Sprengschnur wurde durch die Experten vorsichtig an der Kriegshinterlassenschaft befestigt. Und dann, als alle in Deckung waren, sollte es krachen. "Eine solche Bombe kann ganze Häuser zerstören. Wir hatten extra eine Fuhre Kies, der keine Steine hat, anfahren und auf die Bombe aufbringen lassen", erläutert der Sprengmeister das Vorgehen. Doch beim Knöpfchendruck passierte nichts. Und bald wusste Fred Tribanek auch warum. Beim Aufschütten des Kieses hatte sich offenbar ein Kabel, das an der Bombe befestigt war, gelöst. Das bedeutete für die Munitionsberger, nicht die Nerven zu verlieren sondern das Vehikel ganz behutsam abermals von Sand freizuschippen - und mit der Entschärfungsprozedur von vorne anzufangen. "Das war sehr ärgerlich", denkt Fred Tribanek zurück. In solch einem Fall sei es aber besonders wichtig, Ruhe zu bewahren, erklärt der Sprengmeister - der nicht immer nachvollziehen kann, warum Baufirmen einen derartigen Zeitdruck ausstrahlen.

 

Quelle: Nordkurier vom 04.01.2011

 




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