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Mirow will alte Spuckstoffe entsorgen und Solarpark realisieren
Mirow. Wenn das Projekt "Solarpark Mirow" realisiert werden kann, schlägt die Stadt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wäre sie die rund 70.000 Kubikmeter Spuckstoffe und Klärschlammreste (das sind etwa 40.000 Tonnen) los, die seit den 90er Jahren am Stadtrand linkerhand des Peetscher Weges lagern.
Und zum zweiten würde dort auf dem 25 Hektar messenden Gelände ein Solarpark entstehen, der fast so groß ist wie der Solarpark an der Schwentnerstraße in Neustrelitz, der zum Jahresende 2009 den Betrieb aufnahm. Das berichtete Lothar Richter, Geschäftsführer des Betriebes "Solarprojectworld" Eckernförde (Schleswig-Holstein), als er über das Mirower Vorhaben berichtete. An diesem ist er ebenso federführend wie am Neustrelitzer Solarpark.
Er hatte das Gelände zwischen Peetscher Weg und Aastannenweg unter folgender Fragestellung erkundet: Wie kann die komplette mit Schadstoffen belastete Fläche wirtschaftlich genutzt werden? "Bei den Spuckstoffen und Klärschlämmen handelt es sich nicht um Altlasten von vor 1990, deren Entsorgung gefördert würde. Darum kann die Beräumung des Geländes und die anschließende Installation des Solarparkes nur klappen, wenn wir als Firma mit der Stadt gemeinsam den Landkreis mit ins Boot kriegen", erklärte Lothar Richter. Er habe schon beim Landkreis angefragt, dort sei man ebenfalls daran interessiert, das Problem mit den Spuckstoffen und Klärschlammresten endlich zu lösen.
Das würde auch der Mirower Bürgermeister Karlo Schmettau (FDP) sehr begrüßen: "Wir wollen, dass dieses Gebiet von den Schadstoffen befreit wird. Staatlich anerkannter Erholungsort und ein 25 Hektar großes, umweltbelastetes Gebiet passen nicht zusammen", sagte er. Wenngleich Spuckstoffe gegenwärtig nicht als umweltgefährdend eingeschätzt würden - man könne aber nicht wissen, ob in einigen Jahren strengere Umweltbestimmungen die Entsorgung vorschreiben. Und ob das dann Mirow leisten kann, fragte er sich.
Dreh- und Angelpunkt ist die Finanzierung der Entsorgung, betonte Lothar Richter. Entsprechend seinem Rechenmodell würden der Abtransport der Schadstoffe und das Gestalten des Geländes, zum Beispiel Planierarbeiten, rund 2,85 Millionen Euro kosten. Andererseits würde der Betreiber des Solarparks am Ort eine Gesellschaft gründen, die ihre Gewerbesteuer an Mirow zahlt. Das hieße, dass die Stadt einschließlich der Pacht Erlöse von zwei Millionen Euro für die Entsorgung hätte. "Also müssten noch etwa 800.000 Euro aufgebracht werden. Ob es vielleicht auch mit plus/minus null geht, können wir erst sagen, wenn wir alles genau berechnet haben", erklärte Lothar Richter.
Folgende Zeitschiene könnte der Geschäftsführer sich vorstellen: Er hofft, dass sich das Genehmigungsverfahren im ersten Quartal dieses Jahres abwickeln lässt. Im zweiten Quartal dann sollte begonnen werden, an die Spuckstoffe und Klärschlammreste zu gehen, damit dann die ersten Maßnahmen für das Solarfeld beginnen können. Ende 2011 könnte die Anlage mit einem Stromertrag von rund 6,6 Millionen Kilowattstunden pro Jahr in Betrieb gehen.
Spuckstoffe fallen bei der Papierproduktion an. Eine wesentliche Rohstoffquelle in der Papierproduktion ist Altpapier. In der Papierfabrik wird das Altpapier aufgelöst. Die papierfremden Materialien werden dabei ausgeschieden. Zu den Spuckstoffen gehören unter anderem folgende Reststoffe: Heftklammern, Folien, Kunststoffe, Polystyrol und andere Kunststoffe aus Verpackungsmaterialien.
Das rund 25 Hektar große Grundstück der seit Jahren insolventen Firma Agro Miro am Ortsausgang von Mirow (linkerhand des Peetscher Weges) ist mit rund 70 000 Kubikmetern Spuckstoffen und Klärschlammresten belastet. Die Probleme mit den Spuckstoffen und Agro Mirow beschäftigte die Behörden seit 1994 immer wieder. Das damals für derartige Ablagerungen zuständige Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) hatte 2001 eine Studie zum Thema anfertigen lassen. Das Ergebnis habe gezeigt, dass Umweltgefährdungen von Spuckstoffen nicht ausgehen würden. Eine unmittelbare Gefährdung der Anwohner und der Landschaft sei auszuschließen, hieß es damals ebenfalls aus der Kreisverwaltung. Bei einem Besuch in Mirow sagte der damalige Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) im Jahr 2001 zu, dass sich das Land an der Beseitigung der Spuckstoffe beteiligen wird (der Nordkurier berichtete mehrfach).
Quelle: Nordkurier vom 13.01.2011




