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Ganzes Berufsleben der Forst gewidmet
Wesenberg. "Am Wummsee bei Schwarz - da sieht man alles, was den Wald auszeichnet. Uralte und junge Bäume, Wald, Wasser und gleich benachbart offene Landschaft machen den Reiz hier in Mecklenburg-Strelitz aus", schwärmt Peter Scheel.
Der 1943 in Schwerin Geborene, der sein ganzes Berufsleben der Forst widmete und heute im Ruhestand ist, geht nach wie vor sehr gern und oft in den Wald. Er kennt die Forstwirtschaft aus zwei verschiedenen gesellschaftlichen Systemen.
Entgegen den Empfehlungen vom Großvater, der Revierförster war, und Vater, der noch mit 70 Jahren als Oberförster tätig war, ging er als junger Mann zur Forst. Nach Abitur und Nationaler Volksarmee nahm er 1963 die Forstfacharbeiterlehre in Magdeburgerforth bei Burg auf. Danach studierte er fünf Jahre in Tharandt bei Dresden Forstwirtschaft und arbeitete anschließend bis 1991 in Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben (StFB), zuerst in Hagenow und dann in Rövershagen bei Rostock.
Als 1991 in Mecklenburg-Vorpommern drei Forstdirektionen gebildet wurden, übernahm er den Aufbau und die Leitung derjenigen, die ihren Sitz in Neustrelitz hatte. "Das war verantwortungsvolle Aufbauarbeit unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen nach der Wende, die mit einer schlagkräftigen Mannschaft zu vorzeigbaren Ergebnissen führte. Zu Beginn war vieles noch nicht geregelt, aber pragmatische Entscheidungen führten zu mehr Erfolgserlebnissen als in der heute von Regelungswut gezeichneten Zeit. Die Umstrukturierung der Forstwirtschaft in den 90er Jahren ist gelungen", blickt er zurück.
Wertvolle Hilfe beim Umbau der Forstwirtschaft gaben am Anfang Lehrgänge mit Kollegen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen in Granzow unter anderem zu den Themen Verwaltung, Haushalt, Recht, Personal und kaufmännische Grundlagen. Nach Auflösung der Direktionen 1998 arbeitete Peter Scheel bis 2008 als Inspektionsbeamter. In vielen Forstämtern des Landes zeichnete er verantwortlich für die Kontrolle, Anleitung und Beratung der Forstämter.
Im Unterschied zur heutigen Forstwirtschaft waren "unter dem Dach" der Forstbetriebe in der DDR viel mehr Aufgaben, nicht nur forstliche, angesiedelt, berichtet Peter Scheel. So wurden zum Beispiel Einschlag, Holzrücken und der Transport bis auf den Hof der Sägewerke in Regie der Forst ausgeführt. Der Transport wurde 1991 ausgegliedert, Holzeinschlag und Rückung werden zum Teil an Unternehmen vergeben. Zu DDR-Zeiten versorgten sich die Forstbetriebe selbst mit Pflanzgut. Aus den Baumschulen wurden selbstständige Unternehmen, so entwickelte sich aus der Forstbaumschule Neustrelitz die heutige private Baumschule in Dabelow, nennt Peter Scheel einige Beispiele für Veränderungen. "Wir sollten damals möglichst viel Rohholz und auch Kiefernharz produzieren, damit die DDR weitgehend unabhängig von Importen war", erinnert sich Peter Scheel.
Außerdem hatte die Forst, verstärkt seit den 70er-Jahren die Aufgabe, Holz in das damals sogenannte nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet zu exportieren, um Devisen zu erwirtschaften. "An diesen Einnahmen wurden die Forstbetriebe in geringem Umfang, zum Beispiel durch Importe von Technik beteiligt, 1974 wurden einige Volvo-Sattelzüge aus Schweden geliefert", blickt Peter Scheel zurück.
Er erinnert aber auch daran, dass die Forstwirtschaft unter der Mangelwirtschaft litt. So waren beispielsweise Ketten für Motorsägen einer der Engpässe, die Zuteilung erfolgte auf der Grundlage von Verbrauchsnormativen und nur alt gegen neu, manchmal sogar durch die Betriebsleitung, schmunzelt Peter Scheel. Dann wieder fehlte Drahtgeflecht zum Schutz der jungen Kulturen, Treibstoff war knapp, so dass man sich zu Zeiten der Ölkrise ernsthaft der Holzvergaser-Technik erinnerte, Ersatzteilmangel und und und...
Dennoch habe die Forstwirtschaft unter den Bedingungen der DDR und in der Wende einen gepflegten und leistungsfähigen Wald eingebracht. Diese Leistung gewinne noch an Gewicht, wenn man bedenkt, dass durch die masenweisen Fällungen für Reparationen an die UdSSR in der Nachkriegszeit der Wald weit über die Nachhaltigkeit hinaus genutzt wurde. "Wenn sich heute Neunmalkluge hinstellen und besserwisserische Urteile über die Arbeit der Forstleute in den letzten drei Jahrhunderten fällen, ohne die zu der Zeit herrschenden Bedingungen zu berücksichtigen, so ist das äußerst ungerecht", unterstreicht Peter Scheel. Nach der Wende haben sich sehr viele Kollegen aus den alten Bundesländern bei den Exkursionen lobend über den Waldzustand und die forstliche Arbeit der Forstleute in der DDR geäußert. 20 Jahre nach der Wende hat sich der Wald in Mecklenburg-Vorpommern, auch für Nichtforstleute sichtbar, schon etwas verändert. Der Laubholzanteil junger Anpflanzungen ist merklich gestiegen. Bedingt durch die Technisierung im Holzeinschlag und begründet mit der Schonung des Bodens wird der Wald alle 20 Meter von drei bis vier Metern breiten Arbeitsgassen durchzogen, der Wald wird dadurch lichter. Kahlhiebe werden seltener, erklärt Peter Scheel.
Auch die Begehrlichkeiten zum Wald hätten sich gegenüber der Vergangenheit geändert. Manche wollen ihn als Kapitalanlage haben, andere streben möglichst hohe Einnahmen an, wieder andere wollen den Totalschutz in großem Umfang, weiß Peter Scheel und ergänzt: "Dass der Wald auf der gleichen Fläche sowohl Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion leisten kann und dabei noch umweltfreundliches Holz umweltfreundlich produziert, hat die Vergangenheit wiederholt bewiesen. Es sollte so bleiben", hofft Peter Scheel.
Quelle: Nordkurier vom 19.01.2011




