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Leinwand für großes Kino auch im kleinen Wesenberg


Wesenberg. 432 Filme flimmerten in den vergangenen zehn Jahren über die Leinwand des Wesenberger Kinos, weiß Betreiberin Christiane Bongartz zu berichten.

 

Am 8. April 2001 hat die Berliner Filmliebhaberin das Haus, das einst dem VEB Lichtspielbetrieb Neubrandenburg angehörte, wieder eröffnet. "Nomaden der Lüfte", ein Dokufilm, war der erste Streifen, der damals gezeigt wurde.

 

1937 hatte das "Filmtheater Wesenberg" seinen Spielbetrieb einst aufgenommen. Schon zu DDR-Zeiten war das Kino allerdings wieder geschlossen worden.

"Eine meiner Leidenschaften ist es, Filme anzuschauen, und ich wollte ein eigenes Kino", gesteht die Biologin. Zum Glück teilt ihr Ehemann diese Leidenschaft. Den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann man mit diesem Kino nicht, das war ihnen beiden klar.

 

Das Haus, das die Berlinerin von der Treuhand gekauft hat, erlebte gute und schlechte Zeiten. Derzeit "kämpft" Christiane Bongartz mit der Digitalisierung. Die gefährde nämlich Kleinkinos, weiß die Fachfrau. Kosten zwischen 70.000 und 90.000 Euro stehen jedem ins Haus, der um- beziehungsweise aufrüstet. Es gebe zwar einen finanziellen Zuschuss. Aber nur, wenn ein Netto-Kartenumsatz von 40.000 Euro beziehungsweise 8.000 Besuchern pro Jahr und beides bitte drei Jahre in Folge nachgewiesen werden können. Und das kann das Wesenberger Kino nicht.

Gegen diese Förderbedingungen geht Christiane Bongartz gemeinsam mit anderen Kinobetreibern an, man will rechtliche Mittel ausschöpfen, um so auch diesen Zuschuss zu erhalten. "Wie das letztlich mit der Digitalisierung wird, ist entscheidend für die nächsten drei Jahre", macht sie deutlich.

 

Neben der Digitalisierung bereiten natürlich auch Raubkopien dem Kino Probleme. Die Jugend als Besucher existiere kaum noch. Das "Ins-Kino-Gehen" fällt weg. Man "zieht" die Filme aus dem Internet und schaut sie zu Hause an, kritisiert Christiane Bongartz. Für die Kinobetreiberin ist trotzdem eines ganz klar: "Solange es 35-Millimeter-Kopien gibt, mache ich weiter."

Auch ihrer Linie, was die Filmauswahl betrifft, bleibt die Kinobetreiberin treu. "Ich schaue, ob der Film überhaupt ins Kino sollte, ob der Streifen die Leinwand braucht", erläutert sie ihr Vorgehen. Filme, die eine Verdummung darstellen, kommen in Wesenberg nicht rein. Natürlich verweigert sich Christiane Bongartz nicht, wenn es um Filme geht, die die Leute unbedingt sehen wollen.

 

Heute nun soll das Jubiläum im Kino Wesenberg gefeiert werden. Natürlich mit einem Film, den Christiane Bongartz indes vorab nicht verraten will. Ein Gläschen Sekt gibt es auch. Um 20 Uhr läuft dann die "normale" Vorstellung mit dem Film "Poll", der den Deutschen Filmpreis erhalten hat. "So lange es 35-Millimeter-Kopien gibt, mache ich weiter."

 

 

Quelle: Nordkurier vom 08.04.2011




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