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Fusion-Festival - ein Festival der Sinne und der Gummistiefel


Lärz. Tanzende Pünktchen drehen sich im Kreis, glitzern im Takt der Musik, zu der sich auch die Menschen wiegen. Diese Bühne, eine von mindestens 20 auf dem weitläufigen Kulturkosmosareal, liegt weit im Norden.

 

"Rootsbase", steht an einem hölzernen Tor, das der Festivalgast durchschreitet. Wer diese entlegene Spielstätte entdecken will, durchstreift Baumgruppen, lässt Verkaufsstände hinter sich und wandert durch die Nacht. Allein ist man nicht, um die 60 000 Menschen tun es einem gleich, pilgern von Schauplatz zu Schauplatz oder lassen sich einfach treiben, immer auf der Suche nach Neuem, Ungewöhnlichem, von dem es auch beim 15. Fusion-Festival des Kulturkosmosvereins in Lärz reichlich gibt - trotz des einsetzenden Starkregens, der Wege, Campingflächen und Zelte aufweichen ließ.

 

Die dicke, schwarze Wolke am Himmel, die sich bedrohlich bei Einbruch der Dunkelheit über dem Lichtermeer auftut, scheint die Mädels nicht zu stören. Isabell Kähler, Lisa Rost und Lisa Arndt, die aus Anklam stammen und jetzt in Hamburg und Neubrandenburg wohnen, reiten auf einem Strauß, der grün-gefiedert vor dem Datscha-Hangar steht. "Ach, was will uns die Wolke", witzeln sie noch und haben einen Heidenspaß auf dem "Schaukelpferd" für Große. Und wahrlich, der schwarze Schatten schickt wenig später ein paar dicke Tropfen auf die Erde. Die Massen flüchten sich für einen Moment ins Innere der Hangar und unter die Überdachungen der Bars. Dann hat es sich aber erledigt mit dem Regen - leider nur für den Freitagabend.

Zur Dämmerstunde sind alle Feuertöpfe entzündet. Auf der Seeseite dreht sich eine große Eisenkugel, deren kräftige Flammen flackern im Wind. Über dem See steigen Nebelbilder empor, die zum Nachdenken anregen, ansonsten ist es ruhig. Anders dagegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die über die Fußgängerbrücke zu erreichen ist. Hier wummern Bässe. Massen schieben sich die Wege entlang - vorbei am Casino, der Dub-Station, dem Kino- und Theaterhangar hin zu den zentralen Bühnen. Der beste Blick bietet sich von oben, über eine stabile Holztreppe lässt sich der Hangar erklimmen. Unglaublich, wie viele Zelte auf den ausgewiesenen Campingflächen stehen! "Komm ich fotografier' Dich mal, sonst hast Du ja kein Andenken, dass Du hier warst", bietet ein junger Mann an. Wie alle hier ist er auffallend entgegen kommend. Er drückt dreimal ab. "Wirklich ein schönes Festival hier", lobt er noch und lässt wissen, dass er zum ersten Mal dabei sei. Dann trennen sich die Wege wieder. Es gibt so viel mehr zu entdecken.

 

Die "Räuberhöhle" ist voll, bis zur Tür drängeln sich die Leute in der rustikalen Kneipe, die hinter der Häuserfassade zu finden ist. In der Ecke stehen Kontrabass und Schlagzeug. Auch hier gibt es Live-Musik, ebenso wie im "Luftschloss", nur wenige Meter weiter. Alles, was sich dem Rundbau an diesem Abend nähert, erscheint klein-kariert - ein Lichtspiel, das fasziniert und anziehend wirkt. In Richtung "Alte Landebahn" fällt der Blick auf die große, weiße Kugel, einen Leucht-Ballon, der an diesem finsteren Sommerabend den fehlenden Mond am Himmel ersetzt. Aus dem "Palast der Republik", einem riesigen Zelt mit mehreren Türmen, wimmern E-Gitarrenklänge. Auch hier ist es gerammelt voll, keine Chance nach innen zu gelangen. Doch das Festival-Gelände ist groß genug, sich anderweitig zu orientieren. Klappt es hier nicht, geht man dorthin. Zu den "Bachstelzen"? Ganz hinten in einem Wäldchen sollen sie sein. Also marsch, weiter Richtung Norden, immer die Karl-Marx-Allee entlang. Die Straßen und Wege tragen hier alle solche Namen. Spät in der Nacht geht es zurück zu den Hauptbühnen, vorbei an der "Tanzwiese", dem "Querfeld" und dem "Platz der Kosmonauten", immer mit dem Strom der Menge mit - bis dieser Leuchtturm ins Auge fällt.

 

Er thront majestätisch auf einem Hangar unter Bäumen. In seinem "Bauch" sitzen Leute, ebenso wie auf der Reling des angedeuteten Schiffes nebenan. Von hier aus bietet sich ein erstklassiger Blick auf die Band, deren Spiel auf große Leinwände übertragen wird. Alles in diesem Bereich ist maritim gehalten. Apropos maritim: Irgendwann in der Nacht setzt der Regen ein, so heftig und anhaltend, wie ihn keiner erwartet hatte...

 

 

 

Quelle: Nordkurier vom 04.07.2011




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