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Henry Tesch wieder im Strelitzer Revier


Leussow. Er war ja nie richtig weg, aber nun ist er wieder richtig da: Mit dem scheidenden Kultusminister Henry Tesch (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Roggentin und Schulleiter des Gymnasiums Carolinum, sprach André Gross vom Nordkurier.

 

Wie sehen Ihre letzten Tage in der Landeshauptstadt aus?

Am Dienstag steht noch einmal normale Büroarbeit im Ministerium an, am Dienstag oder Mittwoch erhalte ich vom Ministerpräsidenten meine Entlassungsurkunde, und ich übergebe mein Ressort an meinen Nachfolger. Ich werde ein bisschen durchatmen, ein paar Dinge regeln, kurz Urlaub machen und dann in meine Schule in Neustrelitz zurückkehren.

 

Vor fünf Jahren waren Sie von Landespolitik völlig unbeleckt. Haben Sie nach Ihrem beruflichen Auszug aus Mecklenburg-Strelitz das Fürchten gelernt?

Ich war aufgeregt, neugierig und überzeugt, es zu packen. Wenn ich mich gefürchtet hätte, hätte ich die Aufgabe nicht angenommen und wohl auch nicht gemeistert. Natürlich sind Landespolitik und auch die Bundespolitik, die ich unter anderem durch die Kultusministerkonferenz kennengelernt habe, ganz andere Spielfelder. Ich bin schnell zurechtgekommen auf den Feldern Bildung, Hochschulen und Kultur und froh, alles umgesetzt zu haben, was im Koalitionsvertrag stand. Ich habe Erfahrungen gesammelt, für die ich dankbar bin und die mir keiner nehmen kann, positive wie negative. Zum Beispiel die, dass man in der Politik gut arbeiten kann und trotzdem kritisiert wird.

 

Sind Sie enttäuscht, dass es für Sie keine weitere Legislatur als Kultusminister gibt?

Es war der Zeitpunkt gekommen, wo mir von verschiedenen Seiten gesagt worden ist, man wolle, dass ich weitermache. Das hätte ich mir auch vorstellen können. Aber mit einem solchen Wahlergebnis, wie es die CDU eingefahren hat, ist das schwierig. Das muss noch aufgearbeitet werden. An der Bildungspolitik sind wir im Wahlkampf letztlich nicht gescheitert. Ich hätte mir ja auch einen Wahlkreis suchen können, aber ich bin nicht ausgezogen, um Berufspolitiker zu werden. Es hat weiterführende Angebote gegeben, aber die müssen auch zu mir passen, ich lebe immer in einer sehr realen Welt. Ich kann nicht ausschließen, mal wieder was Größeres zu machen.

 

Welche Reaktionen gibt es im Strelitzer Land zu Ihrer "Heimkehr"?

Ich habe sehr viele SMS und Mails bekommen von Leuten, die sich aufrichtig freuen, dass ich wieder meine ganze Kraft für die Strelitzer Region einsetzen kann. Ich bin nicht der Typ, der sagt, er sei bei den Leuten, und geht dann nicht hin. Ich bin ganz ruhig, für mich ist meine Heimkehr gar nicht so komisch, wie für viele drumherum. Letztlich war es schon ein Novum vor fünf Jahren, dass der Wahlsieger SPD ausgerechnet das Kultusministerium an die CDU abgibt, eigentlich ein Urressort der Sozialdemokraten.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Bildungs- und Kulturpolitik im Land?

Wir haben nicht nur fünf Jahre diskutiert, sondern auch entschieden. Das sollte so bleiben. Dann wüsche ich mir eine bessere Finanzausstattung, wobei auch an die Inhalte gegangen werden muss.

 

Werden Sie sich jetzt nicht langweilen?

Ich habe 14, 15 Stunden pro Tag gearbeitet und bin in den fünf Jahren rund 600 000 Kilometer durchs Land gefahren. Als gebürtiger Mecklenburger dachte ich schon alles zu kennen, jetzt kenne ich das Land wirklich aus dem Effeff mit allen seinen Möglichkeiten und Problemen. Auf mich wartet ein Schreibtisch voller Ideen, es gibt genug zu tun. Ich muss mich um eine gesündere Lebensweise bemühen, einen gesünderen Lebensrhythmus. Meine Familie, ohne deren Rückhalt der Ministerposten nicht möglich gewesen wäre, freut sich auf mehr Zeit mit mir, auch meine Freunde. Und die eine oder andere Anfrage aus dem lokalen Bereich gibt es auch schon wieder. Unter Langeweile werde ich nicht leiden. 

 

 

Quelle: Nordkurier vom 23.10.2011




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