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Komplex um das Untere Schloss soll verkauft werden
Mirow. „Wir wollen das Untere Schloss, ein verfallendes Denkmal, verkaufen. Schon lange. Vor eineinhalb Jahren stellten wir plötzlich fest, dass niemand in der weiten Welt davon wusste, weil wir es nicht bewarben. Nicht mal einen Preis hatten wir“, erklärte der Mirower Bürgermeister Karlo Schmettau (FDP) während der jüngsten Stadtvertretersitzung.
So versank das 1735 errichtete geschichtsträchtige Gebäude im Dornröschenschlaf, nachdem das Schlossgymnasium „Sophie Charlotte“ in seinen Mauern geschlossen wurde, erinnert der Bürgermeister an das Schicksal des Gebäudes, das am 19.Mai 1744 Geburtsstätte von Sophie Charlotte, der späteren englischen Königin, war. In den vergangenen Jahren beschränkte sich die Funktion des Denkmals darauf, Losungsträger und Hülle für eine Vampir-Ausstellung zu sein.
Jetzt hat die Stadt ein Verkehrsgutachten in der Hand, das bei Fachleuten bestellt wurde. Danach verkörpern das Untere Schloss und das alte Grundschulgebäude einen Wert von 235.000 Euro, die (demnächst) ehemalige Feuerwehr schlägt mit 68.000 Euro zu Buche, der Schlosspark mit 9.000 Euro. Das Rotdornhaus stehe noch unter Denkmalschutz, der Wert wurde aber aufgrund des insgesamt schlechten baulichen Zustands mit Null festgelegt. Es kann aus dem Denkmalschutz herausgenommen und abgerissen werden, ergänzt der Bürgermeister. Durch den Schlosspark verfügt das gesamte Grundstück über direkten Anschluss an den Mirower See. „So kann der Käufer eine höchst attraktive Immobilie für insgesamt 310.000 Euro erwerben und sie zu einem touristischen Filetstück machen“, unterstreicht Karlo Schmettau.
Er gibt zudem zu bedenken, dass die in einem Bogen direkt unter den Fenstern des Unteren Schlosses vorbeiführende Straße, auf der heute noch die B 198 geführt wird, auf ihre alte Positiondirekt an die gegenüberliegende Häusserreihe zurückverlegt wird, wenn die Umgehungsstraße fertig ist und die B 198 aus der Stadtverschwindet. Dann ist vor dem Schloss wieder reichlich Platz für eine attraktive Gestaltung, erläutert der Bürgermeister.
Er plädiert dafür, die Verkaufsunterlagen für den Schlosskomplex in die Norddeutsche Grundstücksauktion einzustellen. Diese Auktion finde ständig eine sehr große Resonanz. „Wenn es nach mir geht, sollten wir jetzt Tempo machen. Wir haben zwar so kaum Einfluss auf das, was der Investor plant. Aber erstens muss er den Denkmalschutz beachten. Und zweitens wird jemand, der so viel Geld investiert, daraus auch etwas Vernünftiges, das Mirow gut zuGesicht steht, machen wollen“, meint Karlo Schmettau.
Übrigens widmet auch der Förderverein Residenzschloss Mirow e.V. dem Unteren Schloss mehr Interesse. Er strebt eine bauhistorische Untersuchung an, bei der geklärt werden soll, ob im Gebäude noch Teile erhalten sind aus der Zeit, in der die spätere Königin Charlotte dort geboren wurde. Diese Untersuchung koste 3.000 Euro. Wenn es gelinge, das nachzuweisen, wäre das von riesigem Interesse für die Freunde des Verein in der Millionenstadt Charlotte (USA) und ebenfalls für England, wo Königin Charlotte residierte.
Quelle: Nordkurier vom 28.01.2012




