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Mirower Kellerbühne FreiGespielt mit neuem Stück


Mirow. Die Rollen sind verteilt. Das passiert immer „teils autoritär, teils demokratisch“, verrät Jens-Michael Petras, Chef der Mirower Kellerbühne FreiGespielt, die just vor ihrem zehnten Geburtstag mit den Proben fürs siebte Stück begonnen hat.

 

Und wie immer am Anfang lässt dem Prinzipal die Frage keine Ruhe, ob er die richtige Textauswahl getroffen hat. „Zum Glück stehen wir nicht schon vor der Premiere, gerade jetzt nach dem Kreuzfahrtunglück“, seufzt er. Denn „Jerry über Bord“ spielt auf einem Ozeandampfer, mit dem ein Betrügerpärchen nach vorgetäuschtem Tod des Ehemannes mit der Versicherungssumme in ein sorgloses Leben schippern will. Doch da immer mehr Mitreisende Verdacht schöpfen, sehen sich die beiden gezwungen, ein paar tödliche Unglücksfälle auszulösen…


Kriminalkomödien sind eine Spezialität der Kellerbühne, die mit jeder ihrer Inszenierungen auf 13 bis 15 ausverkaufte Vorstellungen verweisen kann. Ihre Heimstatt ist der Ritterkeller auf der Mirower Schlossinsel: „Wer uns sehen möchte, kommt dort hin“, sagt Petras, und nicht nur die vielen „Wiederholungstäter“ im Publikum geben ihm Recht. Zumal die Truppe den Vorzug genießt, sich keinem Produktionsdruck auszusetzen: Die Premiere wird angesetzt, wenn die Mimen sich reif für die Bühne fühlen; und gespielt wird, bis der Markt gesättigt ist.


Wenn er an den Start am 7. Februar 2002 zurückdenkt, staunt Petras selbst, „was für eineWahnsinnsentwicklung wir genommen haben“: sowohl schauspielerisch als auch im Hinblick auf Ausstattung und Musik-Einsatz. „Wir sind keine Laien mehr, wir haben ein Niveau erreicht,
mit dem sichkeiner verstecken muss“, stellt er fest. Das liegt nicht zuletzt an derAtmosphäre: Den ihm zugeschriebenen Titel des Prinzipals versteht Petras nicht
als Part eines „Zirkusdirektors“,sondern eher als Vater-Rolle in einer fast familiär zusammengewachsenen Truppe.


Über die Kostüme denkt anhand der Charakterbeschreibungen erst mal jeder selber nach und erscheint dann zum „Schaulaufen“ – schließlich fühlt man sich auf der Bühne wohler in selbst ausgesuchten Sachen. Und an der Bühne baut jeder mit. „Die Probenzeit ist am schönsten: Alle fiebern mit, kommen mit Klasse-Ideen, und wir können herrlich über uns selbst lachen“, erzählt Jens-Michael Petras.


Um der Freiheit willen hat die Truppe auch darauf verzichtet, sich als Verein zu organisieren: „Zu viel Bürokratie“, winkt der Chef ab. Natürlich gibt es trotzdem einen „Finanzminister“ und wird ordentlich Buch geführt; schließlich müssen Kulissen, Requisiten, Bühnentechnik und alle anderen Aufwendungen aus den Eintrittsgeldern finanziert werden. Einmal im Jahr unternehmen die Frei-Spieler zudem eine Reise, am liebsten nach Hamburg ins Schmidt-Theater.


Angesichts des runden Geburtstags übrigens hat das Ensemble auch mal erwogen aufzuhören, wenn’s am schönsten ist. „Aber wir können’s nicht lassen“, bekennt Petras. Die Kellerbühne muss sich ja nicht im Zehn-Jahres-Rhythmus festlegen: „So lange wir Lust haben, geht’s weiter.“

 

Quelle: Nordkurier vom 03.02.2012




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