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Ägyptologe ist Autor von Dorfchronik
Wie kommt ein Ägyptologe aus Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) nach Priepert und schreibt dort eine Dorfchronik? Die erste Frage kann Heinrich-Vitus Eberle leicht beantworten:
Priepert. Wie kommt ein Ägyptologe aus Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) nach Priepert und schreibt dort eine Dorfchronik? Die erste Frage kann Heinrich-Vitus Eberle leicht beantworten: „Das ist reiner Zufall, ein Freund hat mir den Bungalow hier am Ellbogensee vermittelt, die Landschaft ist zauberhaft – darum beschlossen wir, hier unseren Sommersitz einzurichten“, erzählt er. 1998 riss er den alten Bungalow ab und baute einen neuen.
Aber warum schrieb er als Auswärtiger eine Prieperter Chronik? Er ist ein Mensch, der auf andere zugeht, der sehr interessiert ist. So saß er im Dorfkrug schnell am Stammtisch. Und da ging es auch um die Geschichte des Ortes. „Jeder erzählte eine andere Version. Weil ich es genau wissen wollte, forschte ich nach und schrieb dann selbst eine Chronik“, berichtet der Wissenschaftler, den auch bei diesem Thema sein Wissensdrang nicht verließ.
Die Chronik wurde gedruckt, er verschenkte Exemplare zum Beispiel an Leute aus dem Dorf, die ihm alte Fotos ausliehen. Bei seiner Forschungsarbeit stieß er aus seiner Sicht auf Bemerkenswertes: „Bei verschiedenen Themen wie zum Beispiel zur DDR-Geschichte oder über das Dritte Reich verschließen sich die Dorfbewohner“, stellt Heinrich-Vitus Eberle fest.
Erstaunlich sind sein Bildungsweg und sein Berufsleben. Das Ägyptologie-Studium in Würzburg nahm er nach seiner Pensionierung auf. Vorher arbeitete er als Sportwissenschaftler und Biologe, war eine Zeit lang Pädagogik-Dozent und zum Schluss Direktor eines Schulamts. Warum nahm er dann das sehr anspruchsvolle Ägyptologie-Studium auf sich, für das man seiner Auskunft nach elf Sprachen beherrschen muss, damit man sich diese Wissenschaft überhaupt erschließen kann? „In der Ägyptologischen Bibliothek in Würzburg, die über rund 30 000 Bände verfügt, sind nur etwa 40 Prozent in Deutsch verfasst“, berichtet Heinrich-Vitus Eberle. Aber er nahm die umfangreiche Arbeit gern in Kauf, erschloss sich ihm doch so die wunderbare Welt der ägyptischen Hochkultur. Natürlich interessiert er sich bei seinen Reisen in das Land am Nil auch für die Gegenwart und die jüngere Vergangenheit. Er kennt den heutigen riesigen und modernen Urlaubsort Hurghada am Roten Meer noch als bettelarmes Hüttendorf. „Das
einzige Glas, das es dort gab, war die Schiebetür der Bank, das war eine Sensation“, erzählt er.
Vor dem Bungalow in Priepert am Ellbogensee sitzend fällt ihm angesichts eines vorbeirasenden Motorbootes auch etwas zum Tourismus ein. Er bedauert, dass die Raserei nicht in den Griff gekriegt wird. „Das ist schädlich für den Tourismus“, gibt er zu bedenken.
Quelle: Nordkurier vom 08.09.2007




