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Trockenheit bringt große Verluste
beschreibt Carola Lehmann, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Wesenberg e. G., was ihr angesichts der extremen Trockenheit als Landwirtin im Kopf rumgeht. Der Mai 2008 war der trockenste der vergangenen 100 Jahre, in Mecklenburg-Strelitz fielen nur 6,9 Liter pro Quadratmeter, das sind gerade einmal 14 Prozent der sonst üblichen Menge. „Wir haben am 19. Mai acht Liter gemessen und am 26. Mai zwei – das wars“, berichtet Carola Lehmann.
Bereits sichtbar betroffen ist auch der Raps der Genossenschaft, von dem sich ein Schlag an der B 198 zwischen Wesenberg und Neustrelitz befindet. Bis zur Blüte habe er sich prächtig entwickelt, danach hat er gelitten. Eigentlich komme Raps dank seiner langen Pfahlwurzeln am besten zurecht mit der Trockenheit, die habe er aber nicht gebildet. „Das war dank des nassen Frühjahrs nicht nötig, die Pflanzen kamen auch mit kurzen Wurzeln an das Wasser heran“, erläutert Carola Lehmann. Nach einem guten ersten Schnitt Feldgras wachse kein zweiter nach, der Schlag des Wesenberger Betriebes an der Woblitz hat große gelbe und braune Stellen. Und der Mais rollt bereits seine Blätter ein, berichtet Carola Lehmann.
Dr. Heinrich Schlingmann, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Mecklenburg-Strelitz, geht davon aus, dass angesichts der Trockenheit die Diskussionen um die Schaffung einer Art Katastrophenversicherung wieder auflodern wird. „In jedem Jahr zahlen die Landwirte etwas ein für schlechte Jahre mit Ertragsausfällen wie in diesem, das könnte funktionieren wie die Hagelversicherung“, erklärt Heinrich Schlingmann.
Er weist darauf hin, dass der Pflanzenbau nicht nur durch die Trockenheit, deren Ende noch nicht in Sicht ist, leidet. Bis Mitte Mai sei es zu kalt gewesen, nachts ging es ständig runter bis an die Nachtfrostgrenze. Im gesamten Landkreis hat das Getreide schon gelitten, die Gerste ist gelb, der Weizen hat fast keine Körner in den Ähren, manche Hackfrüchte sind gar nicht aufgelaufen, berichtet Heinrich Schlingmann und ergänzt: „Vieles ist am vertrocknen. Und was einmal vertrocknet ist, kommt nicht wieder hoch.“ Zu diesen natürlichen Faktoren kämen für die Landwirte negative wirtschaftliche hinzu. „Die Kosten für den Fruchtanbau sind gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen – für Dünger, Pflanzenschutzmittel und Diesel müssen wir erheblich mehr Geld bezahlen“, zählt Carola Lehmann auf.
Hinzu kämen die Einnahme-Ausfälle aufgrund des Milchlieferstopps, an dem sich die Agrargenossenschaft zwei Tage lang beteiligte. „Wir wollten solidarisch sein und ebenfalls ein massives Zeichen setzen. Die Milch ging in die Güllegrube – auch das tat weh“, schildert Carola Lehmann.
Quelle: Nordkurier vom 06.06.2008




