Informationen
Neuigkeiten
Veranstaltungen
Frage des Monats: Wie erkunden Sie die Kleinseenplatte?
Wettervorhersage
Neuigkeiten im Archiv
Aus Skulpturen spricht das Schicksal
Dennoch, der Betrachter spürt, wie ihn das Schicksal berührt, jedes einzelne, das etlichen Frauen widerfahren ist im Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück, oder ganz in der Nähe, in der Außenstelle des KZ in Retzow.
Die Holzfiguren wurden von Auszubildenden im 2. Lehrjahr der Bildhauerschule in Flensburg gefertigt. Auf eigenen Wunsch führte deren Klassenfahrt nach Mecklenburg, direkt auf das Gelände des Lärzer Vereins Kulturkosmos, der alljährlich das Fusionsfestival ausrichtet und deshalb weithin bekannt ist. Die 16 jungen Leute sind allesamt Kenner dieser Großveranstaltung. Mindestens zweimal war jeder von ihnen schon dort. Während sie normalerweise im Harz ihre Klassenfahrten verleben, die immer auch mit kreativer Arbeit, also der Holzbildhauerei, verbunden sind, wollten sie diesmal etwas für das weiträumige Kulturkosmosgelände anfertigen.
Dass ihre Arbeiten einen so ernsten Hintergrund bekommen sollten, war den jungen Leuten zunächst nicht bewusst. Aber sie stellten sich der Herausforderung, die der Kulturkosmosverein an sie
herantrug. Zehn Tage lang hatten sie Zeit, um aus den dicken Eichen- und Pappelstämmen etwas Plastisches zu fertigen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Elf Skulpturen, teilweise mit Kettensäge, teilweise mit Schnitzwerkzeugen bearbeitet, sind entstanden. In einem Skulpturenpark im Festivalbereich sollen sie aufgestellt werden und daran erinnern, dass hier einst der Weg für die Insassen des Arbeitslagers entlang führte.
Organisiert hat den Workshop Christiane Schlenner, eine gebürtige Warenerin, die zur Ausbildungsklasse gehört und jetzt in Kiel wohnt. In einem Referat informierte sie ihre Kommilitonen über die Geschehnisse, die sich in Ravensbrück und Retzow zugetragen haben. „Es bewegt mich die Frage, ob Betroffene sich die Figuren angucken könnten“, macht sich Heide Dittmann, eine der Gruppe, Gedanken – während sie einer Skulptur, die eigentlich drei Frauen, die ineinander verstrickt sind, zeigt, die letzten Meißelhiebe versetzt.
Zunächst entstanden die Bilder im Kopf, jeder machte sich Gedanken. Dann wurde jeweils ein kleines Modell aus Ton angefertigt, das von den Proportionen dem Original entspricht. Irgendwie gingen dann fast alle Modelle während der Bearbeitung der Stämme zu Bruch – aber die Originale nahmen Gestalt an. Sie sollen noch imprägniert werden, hieß es.
Keiner wollte abends um 17 Uhr, dem eigentlichen Feierabend, den Klüpfel und das Schnitzwerkzeug freiwillig aus der Hand legen. Alle waren so von ihrer Arbeit gebannt, dass bereitwillig viele Überstunden getätigt wurden. Am Ende konnte sich das Entstandene sehen lassen. Selbst Martin Eulenhaupt, Vereinsvorsitzender vom Kulturkosmos, zeigte sich tief beeindruckt von der Ausdruckskraft der dargestellten Menschen. Und Lehrer Heinrich Oettinger, der mitgereist war und auch selbst eine Figur bearbeitete, erklärte, dass optimale Bedingungen angetroffen wurden – die Ergebnisse seien dementsprechend gelungen.
Quelle: Nordkurier vom 09.06.2008




