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Archäologen graben 'Müritz-Ötzi' aus


Was für die Tiroler der Ötzi ist, könnte für die Bewohner des Müritzkreises ein Steinzeitmensch werden, der in der Nähe von Rechlin bei Ausgrabungen zum Vorschein kam.

Rechlin. Was für die Tiroler der Ötzi ist, könnte für die Bewohner des Müritzkreises ein Steinzeitmensch werden, der in der Nähe von Rechlin bei Ausgrabungen zum Vorschein kam. Die Mitarbeiter um den Archäologen Reiner Fenske haben das Skelett des "Müritz-Ötzi" in nicht allzu großer Tiefe entdeckt, komplett geborgen und ins Labor gebracht. Dort soll jetzt untersucht werden, wie alt das Skelett ist. Der Experte schätzt, dass der Mann, neben dem eine Steinaxt lag, vor rund 4000 Jahren bestattet worden ist, in der damals üblichen Stellung mit angewinkelten Beinen. Wir waren überrascht, dass die Knochen noch alle so gut erhalten sind. Bei dem Boden, den wir hier haben, ist das eigentlich eher selten.
Normalerweise findet man hier nur Zähne, die ja bekanntlich am härtesten sind, erzählt Reiner Fenske. Der Schädel des Steinzeit-Mannes weist eine Beschädigung auf, die entweder im Laufe der Jahrhunderte entstand oder aber ein Hinweis darauf sein kann, dass der "Müritz-Ötzi" operiert worden ist. Denn schon in der Steinzeit seien Eingriffe am Kopf vorgenommen worden. Die Untersuchungen des Labors werden sich noch einige Wochen hinziehen. Auch der Archäologe vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und sein Team haben noch einige Zeit auf dem etwa eineinhalb Hektar großen Platz zu tun.
Bis Ende des Jahres, so schätzt Reiner Fenske, werden die Arbeiten an der derzeit größten Feldgrabung in Mecklenburg-Vorpommern noch dauern. Dabei sind die Fachleute nicht auf der Suche nach Steinzeitmenschen, sondern legen eine Siedlung aus der jungen Bronzezeit frei. Den Platz vermuten die Archäologen bereits seit einigen Jahren an dieser Stelle. Als dann im Sommer die Bauarbeiten für die Rechliner Biogasanlage begannen, bewahrheitete sich die Vermutung. Zur Freude der Wissenschaftler. Für die Bauherren, die Gemeinde Rechlin und die Stadtwerke Neustrelitz, wird dieser bedeutende Fund allerdings richtig teuer. Denn die Ausgrabungsarbeiten bringen eine erhebliche Verzögerung mit sich, und die verschlingt Geld. Doch sowohl Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU) als auch Frank Schmetzke als Geschäftsführer der Stadtwerke Neustrelitz stehen den Grabungen wohlgesonnen gegenüber und wollen den Forschern keine Steine in den Weg legen. Wenn die Biogasanlage steht, weisen wir
vielleicht mit einer Tafel auf den besonderen Fund an dieser Stelle hin, meint Frank Schmetzke. Bis dahin wirds allerdings noch eine Weile dauern. Denn bislang haben Reiner Fenske und seine Leute erst einen halben Hektar durchgewühlt.
Vor Ort selbst sieht für den Laien alles ziemlich unspektakulär aus. Mehrere Leute streichen Erde mit kleinen Hacken vorsichtig zur Seite und markieren Stellen im Boden. Hier und da liegen Zollstöcke und Maßbänder auf der Erde. Und das, was die Grabungsmitarbeiter da so auffällig kennzeichnen, macht auf Außenstehende überhaupt keinen Eindruck. Das sind dunkle Verfärbungen, die uns darauf hinweisen, dass sich hier in der Bronzezeit eine Feuerstelle befunden hat oder dass hier Pfosten standen, auf denen Gebäude thronten, erklärt Grabungsleiter Fenske. Jutta Horn, wissenschaftliche Zeichnerin, bringt die Funde aufs Papier, und wenn alles klappt, können die Wissenschaftler anhand der Verfärbungen sogar Hausgrundrisse erstellen.
Auch Teile von alten Gefäßen oder Steinwerkzeugen buddeln die Mitarbeiter des Landesamtes aus. Wenn möglich, werden die Gefäße wieder zusammengesetzt. Neben den Ausgrabungen aus der Bronzezeit kommen aber auch Hinweise auf slawische Siedlungen zum Vorschein. Auch wenn es häufig Tage gibt, an denen wir nichts besonderes finden, ist die Arbeit doch immer wieder spannend, meint Reiner Fenske, gibt aber auch zu, dass die Ausgrabungen alles andere als rückenfreundlich sind.

 

Quelle: Nordkurier vom 15.09.2007




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