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Prieperter Geschichte und Geschichten
Oft genug sind wir dabei runtergeflogen und kamen mit zerschrammten Knien nach Hause“, erzählt das Prieperter Urgestein Karl-Joachim Simon. Solche und viele andere Geschichten bekommen die Leute zu hören, die mit ihm auf Dorfführung gehen – ein ganz neues, attraktives Angebot in Priepert.
Erarbeitet wurde es durch den Verein Dorf Natürlich Leben e. V., der auch dieses Vorhaben unter „Kleinprojekt Lokales Handeln für soziale Zwecke“ einreichte und dafür EU-Förderung erhielt. Aber die Führung wurde nicht einfach aufgeschrieben und wird dann abgewickelt, berichtet Karl-Joachim Simon. Er ging zu älteren Leuten im Dorf, um sich Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten erzählen zu lassen, die er in die Dorfführung einbauen kann. So wie zum Beispiel über den HO-Kommissionär Martin Meißner, der in Zusammenarbeit mit der staatlichen Handelsorganisation den Dorfladen betrieb: „Der war in der ganzen DDR weltberühmt, sehr viele Urlauber kamen ja damals schon. Und Martin Meißner hat sich sehr gekümmert, der hatte Sachen in seinem Geschäft, die man bei Konsum und HO oft vermisste, er besorgte im Winter schon jede Menge Konserven für die Urlauber“, erinnert sich Karl-Joachim Simon.
Und hinzu kommen die vielen Geschichten, die er aus eigenem Erleben oder aus der Überlieferung – schließlich ist seine Familie schon seit 1840 in Priepert ansässig – erzählen kann. So zum Beispiel die über die hohle Ulme auf dem Kirchhof. Über die Mauer konnten die Kinder in den Baum kriechen und dann über einen ganz langen Ast, der fast bis zur Kirche reichte, wieder runter auf die Erde kommen. Auf dem Kirchhof steht auch ein uralter Birnbaum, den früher die Kinder plünderten… Eine andere Geschichte ist die von der letzten Hexenverbrennung im Dorf, als Mutter Hahn verbrannt wurde. Der Berg, auf dem das geschah, heißt der Hohnsche Berg (plattdeutsch für Hahn).
Karl-Joachim Simon kann die Teilnehmer des Dorfrundgangs auch überraschen: Auf einigen Grundstücken führen Wege bis an das Seeufer. „Dabei handelt es sich um Löschwasserstege, die man wahrscheinlich nach dem großen Brand von 1892 anlegte, damit die Feuerwehr beim nächsten Ernstfall ans Wasser kommt. Da staunen die Leute, wenn ich das erzähle“, berichtet er.
Es liegt ihm aber auch am Herzen, die Erinnerung an die Prieperter, die den Sport aufbauten, wachzuhalten. In den 60er-Jahren forderte Staatschef Walter Ulbricht „Jedermann an jedem Ort – mehrmals in der Woche Sport!“ Karl-Joachim Simons Vater Gerhard Simon stand damals an der Spitze derer, die mit großem Einsatz den Sportplatz anlegten, allein der Vater leistet mehr als 200 freiwillige Aufbaustunden. Übrigens: Ende der 40er- Jahre spendierte der Bäcker für jedes beim Fußball geschossene Tor ein Brot. „Ich möchte, dass das alles nicht vergessen wird, darum erzähle ich es weiter“, unterstreicht Karl-Joachim Simon.
Quelle: Nordkurier vom 30.07.2008




