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Kinofest zum doppelten Jubiläum
Im Kino hatten sich viele Filmfreunde, unter ihnen zahlreiche Stammzuschauer, versammelt. Bürgermeister Helmut Hamp (BfW) würdigte das Engagement der Kino-Eigentümerin Christiane Bongartz, ihres Mannes und ihres Sohnes, durch das es vor sieben Jahren möglich wurde, das leerstehende Gebäude zu retten. Gemeinsam mit der Wesenberger Architektin Sabine Reimann, die natürlich auch zu den Kinofestgästen zählte, wurde das leerstehende Haus in ein hochmodernes Kino verwandelt. Helmut Hamp betonte, dass Wesenberg froh ist, so eine Einrichtung zu haben – ein Kino in so einer kleinen Stadt sei heute etwas ganz außergewöhnliches.
Christiane Bongartz unternahm in ihrer kurzen Ansprache einen Ausflug in die Geschichte. Sie erinnerte daran, dass das Filmtheater 1937 von Familie Radtke gebaut und ziemlich schnell danach von den Nationalssozialisten enteignet wurde, die es in ein NS-Unterhaltungshaus verwandelten. Nach 1945 kam es zum VEB Lichtspielbetrieb Neubrandenburg. Dieser Betrieb ging nach der Wende an einen großen Konzern, mit dem Wesenberger Filmtheater war das aber aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse nicht so einfach, berichtete Christiane Bongartz. Heute steht das Haus unter Denkmalschutz. Es ist in der Region das letzte Landkino – also ein Kino, in dem alle Filmgenre gespielt werden, in ganz Deutschland gibt es davon noch neun. „In unserer Region ist es das dienstälteste. Alle anderen – wie in Neubrandenburg, Neustrelitz und Teterow – sind abgebrannt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, sagte Christiane Bongartz.
Helmut Hamp hatte sich gut vorbereitet zum Kinofest und konnte so Interessantes zum Ursprung und zur Erfindung dieser neuen Kultur- und Unterhaltungsform erzählen. Zum Beispiel über den 1846 geborenen Ottomar Anschütz, der Fotograf war. 1882 wurde er zu einem Kaisermanöver eingeladen, dessen preußisch-exakten Charakter er darstellen sollte. Das würde am besten mit vielen Momentaufnahmen gehen. Schließlich erfand er 1886 ein Gerät zur Projektion von Reihenbildern, das er „Elektrischer Schnellseher“ nannte. Das stellte er 1887 im Berliner Kultusministerium vor. Dabei war jemand von Siemens, der Konzern erwarb die Lizenz und stellte 140 „Schnellseher“ her, die zum Exportschlager und eine der Wurzeln des Kinos wurden.
Abschließend überreichte Helmut Hamp Christiane Bongartz eine Orchidee, die sie und das Kino mindestens weitere sieben Jahre begleiten soll.
Quelle: Nordkurier vom 16.08.2008




