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Zwergdommel gesehen


Feldberg / Zwenzow. Peter Lange aus Feldberg hat die Zwergdommel gesehen. Bei den meisten Menschen ruft diese Nachricht ein gleichgültiges Achselzucken hervor.

Ornithologen lässt die kürzliche Sichtung des kleinsten Reihers Mitteleuropas jedoch aufhorchen (Der Nordkurier berichtete). Denn der scheue Vogel ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN (Internationale Naturschutzunion). Gerade noch zehn Brutpaare sollen in Mecklenburg-Vorpommern leben. Deutschlandweit wird mit weniger als 100 Paaren gerechnet. Zu Gesicht bekommt das unscheinbare Tier kaum jemand je, denn es lebt verborgen in unzugänglichen Schilfgürteln. Doch jetzt sind dem ehemaligen Revierförster Peter Lange gleich zwei dieser lebenden Raritäten unverhofft vor’s Fernglas geflattert – und zwar an einer gut besuchten Badestelle am Großen Labussee bei Zwenzow.
„Die Beobachtung ist eine Besonderheit, die zu publizieren geboten scheint“, kommentierte der fachkundige Erwin Hemke vom Naturschutzbund (NABU) das Ereignis. Das Nationalparkamt Müritz wertete die Beobachtung als „Zeichen dafür, dass sich Schilfgürtel in der Region ungestört entwickeln können“. Denn die Zerstörung von Schilfbeständen ist einer der Gründe für den Rückzug ihrer Bewohner. Die Tatsache, dass die Vögel zu zweit während der Brutzeit gesichtet wurden, lässt darauf schließen, dass es sich sogar um ein Paar handelte, das Junge groß gezogen hat, heißt es vom Nationalparkamt.
Der Mann, der die Vogelkundler mit seiner Meldung auf Trab gebracht hat, bleibt jedoch gelassen. „Ich habe sie gesehen, Bescheid gesagt und nicht geahnt, dass das so eine Aufregung gibt“, sagt Peter Lange schmunzelnd. Genauer gesagt, habe er die Vögel nicht allein erspäht, sondern sein Bruder Hans-Michael Lange sei dabei gewesen. Als Naturfreunde hätten sie sich sehr gefreut, die etwa 35 Zentimeter großen Tiere beobachten zu können. „Dort ist so ein wunderbarer Schilfgürtel, 20 Meter breit“, schildert Peter Lange. Die Natur scheine hier intakt zu sein.
Daran, dass es sich tatsächlich um Zwergdommeln gehandelt hat, bestünde kein Zweifel. Beide Brüder hätten sich von Kindheit an für die Natur interessiert, die Zwergdommel vor etwa 30 Jahren schon einmal gesehen. „Flugbild und Gesamtumstände ließen keinerlei Zweifel an der eindeutigen Artbestimmung aufkommen“, betont Hans-Michael Lange. Schon im Vorbeifliegen seien die charakteristischen weißen Flügeldecken gut zu sehen gewesen. Im Zeitraum einer halben Stunde sei das Pärchen fünf Mal aufgetaucht, habe in einem Rohrgürtel „herum geturnt“ und sei zwischendurch kurze Strecken geflogen.
Einen Fotoapparat hatten beide nicht zur Hand. Noch mehrmals sind sie zu der Stelle gegangen. Aber die Zwergdommel haben sie seit dem 3. Juli nie wieder gesehen. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht da ist. Denn in Manier ihrer großen Verwandten – der Rohrdommel – erstarrt die Zwergdommel bei Störung in einer Pfahlstellung. So ist sie von einem Schilfhalm kaum zu unterscheiden.

 

Quelle: Nordkurier vom 22.08.2008




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