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„Aber mit dem Herzen geht auch was“


Mirow. Wenige Tage vor dem Totensonntag ist Eva-Maria Richter eine große Last von der Seele gewichen.

Sie selbst hat die Initiative ergriffen, um dem anonymen Bestattungsfeld auf dem Mirower Friedhof eine würdigeres Aussehen zu geben. Als die inzwischen 78-Jährige im Februar dieses Jahres an gleicher Stelle von ihrem Mann Dr. Hans Richter Abschied nehmen musste, war sie entsetzt vom Erscheinungsbild des Platzes. „Auch meine Kinder waren unglücklich, dabei hatten wir uns ausdrücklich für diese Beisetzungsform entschieden, weil wir überwiegend weit entfernt voneinander wohnen und die Auswärtigen selten Gelegenheit haben zum Friedhof zu kommen“, erzählte die Mirowerin dem Nordkurier.
Eva-Maria Richter, gemeinsam mit ihrem Gatten Gründungsmitglied der SPD in Mirow, besprach die Angelegenheit im Ortsverein der Sozialdemokraten. „Wir waren uns einig, dass wir ’was machen müssen“, blickt die Witwe zurück. Gemeinsam mit SPD-Stadtvertreterin Ortrud Poltier entdeckte sie auf einem Acker der Familie Hirstius in Mirow-Dorf einen passenden Findling, den die Grundstückseigentümer auch bereitwillig zur Verfügung stellten. Über das am Ort ansässige Bestattungsunternehmen Nadler wurde der Kontakt zur Fürstenberger Naturstein-Firma Borwig hergestellt. Die Spezialisten rieten, zusätzlich zu dem Stein noch eine Granit-Platte in den Boden einzulassen. „Das hätte meine Finanzen dann doch überstiegen, so dass ich mich an die Leitende Verwaltungsbeamte Carola Kahl gewandt habe“, berichtete die tatkräftige Seniorin weiter. Und trotz der knappen Mirower Finanzen konnte das noch fehlende Geld aufgebracht werden. „Die waren richtig froh, dass sich jemand kümmert“, schätzte Eva-Maria Richter ein.
Die Inschrift auf dem Stein hat die Frau lange beschäftigt. Schließlich fand sie auf einer der vielen Beileidskarten anlässlich des Ablebens ihres Lebensgefährten einen „ausreichend neutralen“ Spruch von Paul Celan, „denn nicht jeder hat mit dem lieben Gott was am Hut“. Gestern konnten Stein und Platte nun von den Fürstenberger Experten an ihrem Bestimmungsort aufgebaut werden. „So habe ich mir das vorgestellt, es ist gelungen und wäre bestimmt auch im Sinne meines Mannes“, freute sich Eva-Maria Richter gestern nach Abschluss der Arbeiten. Und hatte gleich weitere Verbesserungsvorschläge an Carola Kahl zu bringen, was das Aussehen des Friedhofes angeht. Ortrud Poltier wusste vor allem die Privatinitiative zu würdigen. „Sicherlich liegt vieles am fehlenden Geld, aber mit dem Herzen geht auch was.“ Ohne Bürger-Elan passiere in der Stadt einfach zu wenig, und das sei traurig, meinte die Abgeordnete.

 

Quelle: Nordkurier vom 21.11.2008




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