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Ziel: Kleine Schwester des Müritzeums


Boek. „Wir müssen uns besinnen auf Werte, wir müssen dafür sorgen, dass unsere Identität mit unserem Land, unsere Region wächst.“

Wenn Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU), zu dessen Gemeinde auch Boek gehört, auf das Gutshaus zu sprechen kommt, ist ihm wichtig, dass sein Gegenüber versteht, warum es nicht allein um eine neu konzipierte Nutzung des Boeker Gutshauses geht. Nicht allein die Darstellung von Geschichte um ihrer selbst willen soll in dem historischen Gebäude ihren Platz finden, sondern vielmehr die Besucher zum Nachdenken anregen. „Wir sollten unsere Wurzeln kennen, gerade wir in unserem Land, das so sehr von Abwanderung und demografischem Wandel betroffen ist“, findet Ringguth.
Dass in dem Boeker Gutshaus nun Ideen umgesetzt werden können, dafür musste erst das Verwaltungsgericht den Weg ebnen. Denn die ehemaligen Besitzer des Gutes, die Familie von Le Fort, wollte es zurück, die Gemeinde Rechlin jedoch das Gebäude behalten. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde diese Auseinandersetzung zu Gunsten der Gemeinde entschieden und so der Weg frei gemacht für die Umsetzung der Vorhaben der Rechliner und Boeker.
Dass sie nun gerade die Geschichte der Familie von Le Fort als Ausgangspunkt für die Darstellung der Geschichte der Ritterschaft in Mecklenburg nehmen wollen, ist für Ringguth kein Widerspruch. Im Gegenteil. „Das ist doch das Spannende. Gerade diese Familie bietet viel Stoff, um gerade auch das in sich Widersprüchliche und auch Besondere in der Mecklenburger Ritterschaft anschaulich darzustellen“, meint Ringguth.
So gebe es auf der einen Seite Stephan von Le Fort, einem „begeisterten Kapp-Putschisten“, wie ihn Ringguth nennt, der gegen die Stadt Waren zog und dort auf Häuser schoss und bei dessen Angriff in der Müritzstadt sieben Menschen starben – „deren Tod übrigens bis heute nicht gesühnt ist“, verdeutlicht der Bürgermeister. Auf der anderen Seite gebe es eben auch Gertrud von Le Fort, eine humanistische Schriftstellerin von europäischem Rang, die ebenso wie Stephan von le Fort mit Boek und dem Gutshaus verwurzelt war. Reich und beispielhaft scheint die Familiengeschichte der le Fort also zu sein, voller Querbezüge zur Landes- und vor allem auch europäischen Geschichte: Familienmitglieder waren enge Freunde des russischen Zaren – deshalb der Doppeladler im Wappen der Le Forts, das übrigens auch einen Elefanten zeigt. Der wiederum soll auf die Kreuzzüge Bezug nehmen, an denen le Forts ebenfalls teilgenommen haben. „Es gab in der Geschichte des Mecklenburger Adels viel Schatten, aber auch
Licht. Das alles wollen wir darstellen“, erklärt Ringguth.
Sein Traum: Das Boeker Gutshaus zur „kleinen Schwester“ des Warener Müritzeums entwickeln, eine direkte Anbindung über die Nationalpark-Tickets existiere ja bereits. „Wir können und wollen keine Konkurrenz zum Müritzeum sein, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung“, macht der Bürgermeister klar. Erste Konzepte für die Nutzung des Gutshauses sind bereits zu Papier gebracht. Die beziehen nicht nur die bereits bestehenden Angebote wie das Zinnfiguren-Museum, die Nationalpark-Information, die Gaststätte und den Souvenirladen mit in die Überlegungen ein, sondern sehen vor allem auch eine Erweiterung des Ausstellungsteils vor.
„Bis das alles umgesetzt ist, ist es noch ein weiter Weg“, so Ringguth. Erste Schritt in Richtung Ziel hat die Gemeinde bereits getan: Über Leader plus wurden Fördermittel beantragt, bis Mitte nächsten Jahres soll das Ausstellungskonzept fertig sein. „Das müssen wir sehen, wie es weiter geht“, meint Ringguth.

 

Quelle: Nordkurier vom 22.11.2008




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