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„Wustrow Helau!“
Der WCV, der Wustrower Carnevalsverein, steckt mitten in seiner 35. Saison. „Das gibt’s in Wustrow, das gibt’s in Canow, das gibt’s in Drosedow, dort hinterm Wald“, singen jetzt alle Faschingsbegeisterten. Drei Abend-Shows, ein Rentner- und ein Kinderfasching sind absolviert, die heutige Abendveranstaltung Monate ausverkauft.
Im Saal der Dorf-Gaststätte „Waldlust” zeigen sich die Besucher aus Neustrelitz, Wesenberg und Mirow, aus Rechlin, Lärz und Rheinsberg klatsch- und schunkelwillig vom ersten Takt an und textsicher bei Schlagern und Stimmungsliedern. Was die Laien-Künstler um Vereins-Chefin Christiane Gößler-Kümmel und Präsident Knut Kümmel aufbieten, hat Witz, Charme und Erotik. Unter dem Motto „Leinwandhochzeit“ zeigt man diese Saison die Höhepunkte vergangener Jahre. Etwa 120 Leute werden pro Show von 69 Mitwirkenden bespaßt. Diese gehören unterschiedlichen Vereins-Gruppen an. Schon die Kinder üben kleine Tänze, die Funken-Mädchen zeigen schöne Beine, Leibwache und Traditionsgruppe marschieren auf, und junge Frauen bezaubern in Dessous vor allem die Männer im Saal. Das Gickern wird zum Kreischen, zeigt sich das Männerballett in weißem Tüll zum „Tanz der kleinen Schwäne“. Hänflinge wie Dicke vollführen hochkonzentriert grazile Schritte und Pirouetten – die Ernsthaftigkeit im Ungelenken entlockt den Zuschauern brüllende Lacher.
Die Mix-Tanzgruppe fordert mit „Let’s Do The Time Warp Again!“ aus der kultigen „Rocky Horror Picture Show“ zum Zeitsprung auf: Am 11. November 1970 hatte alles begonnen. „Wir ließen uns vom Lehrerfasching in Neustrelitz und den Prieperter Karnevalisten anregen“, erzählt der 81-jährige Gründungs- präsident Karl-Friedrich Kehnscherper, immer noch jährlich als Zuschauer dabei, „gedopt mit Karnevalsblut“. Damals hatte Wustrow noch eine Schule, Kehnscherper unterrichtete dort. „Die Lehrer waren sofort begeistert“, weiß er, „sie holten die Schüler ins Boot. Gute Leistungen waren Voraussetzung, um im Sommer schon zu üben.“ An Wochenenden wurde zudem gewerkelt. Die Aktiven auf und hinter der Bühne mit dem „Schlachtruf“ Wu-Ca-Val – Wustrow-Canower Karneval – waren ein Volkskunstkollektiv. Bis zu zwölf Shows absolvierte man pro Saison – oft mit je drei Büttenreden pro Abend. „Die waren schärfer als heute“, erinnert sich Bürgermeister Eberhard Zimmermann, für 20 Jahre Karnevals-Präsident. Dass man Konsum, LPG und sogar Volkspolizei öffentlich kritisierte, gefiel nicht allen. „Die per Tonband aufgezeichneten Büttenreden mussten eingereicht werden, und der Rat des Kreises wertete sie aus.“ Letztlich wurden sie doch mit 400 Mark ermutigt, als „Ausleihgebühr“ für die Rede. Nach der Wende kümmerten sich die Einwohner um anderes als den Karneval. Doch seit nun schon wieder 15 Jahren erschallt das „Wustrow Helau!“, und 17 Prinzen führten inzwischen 19 Prinzessinnen auf den Thron. Immer im April gibt es ein Dankeschön-Fest – wohl besonders für die guten Geister hinter der Bühne. Dann werden „dort hinterm Wald“ schon Ideen gesammelt für die nächste Saison.
Quelle: Nordkurier vom 20.02.2009




