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Mörderisches Spiel in Dr. Deiwels Praxis


Mirow. Sie lagen alle falsch – durch die Reihe weg. Jeder sinnierte in der Pause, wer wohl der Mörder sein könnte:

die Ehefrau, die keine Gelegenheit ausließ, andere Männer zu umgarnen, der Klempner, der so unscheinbar daherkam, dass er sich verdächtig machte, die kesse Sprechstundenhilfe …

Nein, das Geheimnis wird an dieser Stelle nicht gelüftet. Schließlich sollen diejenigen, die morgen im Publikum sitzen, auch noch ihren Spaß haben und kräftig grübeln, wer es wohl war, der den verflixten Mord begangen hat. Um 15 Uhr heißt es zum vorerst letzten Mal im Mirower Ritterkeller: „Praxis Dr. Deiwel – Was kann ich für Sie tun?“ Auch diese Vorstellung der Kellerbühne FreiGespielt unter Leitung von Theater-Prinzipal Michael Petras ist wie immer ausverkauft. Diejenigen, die hingehen, können sicher sein, dass ihre Lachmuskeln an diesem Nachmittag ein anstrengendes Training erfahren.

Dass Michael Petras die Rollen eines jeden neuen Stückes allein besetzt, ist eisernes Gesetz. Dass er selbst in eine solche schlüpft, das gab es bisher nicht. In diesem fünften Stück war es nicht zu vermeiden, berichtet er. Als die Rolle des Gauners Günter in der teuflischen Praxis übrig blieb, fielen die Blicke aus der Runde auf ihn. Da gab es kein Zurück für den ausgebildeten Theatermann, der übrigens der einzige in der Truppe ist, der vom Fach kommt. Was allerdings nicht heißen soll, dass es die anderen nicht drauf haben. „Wir sind alles keine Laien“, verdeutlicht Petras. Auch wenn die Ensemble-Mitglieder „ganz normale“ Leute sind, die tagsüber in Landratsamt, Redaktion, Kindergarten oder eigener Baufirma ihre(n) Mann oder Frau stehen und nur abends Zeit zum Theaterspielen finden, so brauchen sie sich hinter einem Profi-Theater nicht zu verstecken. Und vielleicht ist es gerade die Nähe zum Publikum, die die Truppe so sympathisch macht. Wenn sich die Darstellerin das

Lachen nicht länger verkneifen kann und losprustet und auch das Publikum kein Halten mehr kennt. „Wir stehen nicht auf der Bühne, wir sind mittendrin“, macht der Ensemble-Leiter deutlich. Er hält es für beeindruckend, wie unerfahrene Akteure an ihren Rollen gewachsen sind. „Wir mussten uns keine neuen Leute suchen, um große Rollen zu besetzen, wir haben sie in uns gefunden“, ist Michael Petras stolz.

Doch bei aller Freude plagt die Gruppe wieder ihr „ganz normales Leid“. „Ein Ensemble ist ein lebender Organismus, die einen kommen, die anderen gehen“, sagt Petras. Ein solches Gehen schwebt wieder im Raum. Sarah Tiedt, die bei Dr. Deiwel die jugendliche, charmante Sprechstundenhilfe mimt, wird vermutlich aus beruflichen Gründen die Truppe verlassen. Und damit wird auch das Stück trotz des großen Zuspruchs zu den Akten gelegt. Doch vielleicht gelingt es, im September noch einige Aufführungen auf die Beine zu stellen, hofft Michael Petras. Bis dahin wird schon mal Nachwuchs für künftige Aufführungen gesucht. Wer Spaß am Theaterspielen hat – und dabei sollen sich besonders auch junge Leute angesprochen fühlen – der kann sich unter Telefon: 0174 4867737 an Michael Petras wenden. Übrigens, die Ausrede Lampenfieber gilt nicht. Damit haben die Ensemble-Mitglieder auch jedes Mal zu kämpfen, was sie aber nicht davon abhält, ihre „Praxis Dr. Deiwel“ fürs Publikum zu öffnen.
 

Quelle: Nordkurier vom 20.06.2009




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