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Pacht-Erhöhung schockt Kleingärtner


Wesenberg. Die Überraschung ist gelungen, im negativen Sinne. Rita Havemann und Rolf Schütt, zwei Neubrandenburger, die in der Wesenberger Kleingartenanlage „Am Ahrensberger Weg“ seit 34 Jahren ihr kleines Paradies haben, sind entsetzt:

 

 Gerade aus dem Urlaub gekommen, erfuhren sie durch einen Aushang am Brett, dass die Stadt einen neuen Anlauf unternimmt, die Pacht für die rund 48 Gartengrundstücke zu erhöhen. Diesmal ist aber nicht die Kommune als Absender vermerkt, sondern ein Anwaltbüro, das die Stadt vertritt. Demnach soll die Pacht von derzeit 6 Cent je Quadratmeter pro Jahr auf zirka 1,03 Euro je Quadratmeter und Jahr steigen. Das schlägt den Gartenbesitzern bitter auf den Magen.

Waren bisher von dem Kleingartenverein insgesamt 1344,41 Euro pro Jahr zu zahlen, so werden nun um die23 000 Euro verlangt. Begründet ist der Anstieg mit dem Charakter der Anlage. Hier sei Elektrizität vorhanden, die Lauben würden über Toiletten und Fernsehantennen verfügen, sprich alles würde eher einer Erholungsanlage gleichen als einer Kleingartenanlage.

Doch genau das weist Volker Tresp, Vorstandsvorsitzender des Vereins, der den Aushang am Brett gemacht hat, zurück. Nach Erhalt hatte er das Schreiben zunächst dem Kreisverband gezeigt, bevor es an einen Anwalt weitergegeben wurde. Wie er sagte, würde vom Vorstand sehr darauf geachtet, dass der Kleingartencharakter erhalten bleibe. Mindestens ein Drittel der Parzellen, meist mehr, würde mit Obst und Gemüse bestellt. In puncto Ausstattung der Lauben gibt Tresp zu bedenken, dass es ordnungsgemäße Baugenehmigungen aus DDR-Zeiten gebe. Auch hätten die Kleingärtner ihre Grundstücke erst zu dem gemacht, was sie sind – ohne Unterstützung der Stadt. Selbst Strom wurde in Eigenregie gelegt. „Wir haben uns das Gelände urbar gemacht“, erinnert sich Rita Havemann. Der Neustrelitzer Jörg Petersen, der seit 1978 seinen Garten hat, fügt hinzu, dass Leute aus dem ganzen Bezirk Neubrandenburg hier Parzellen pachten konnten. Es war ganz klar, dass auch übernachtet werden musste. Volker Tresp

vermisst, dass die Stadt nicht das Gespräch gesucht hat – sondern gleich mit dem Anwaltsschreiben kam. Bürgermeister Helmut Hamp (BfW) verweist darauf, dass die Stadt seinerzeit mit dem alten Vorstand eine Lösung ausgehandelt hatte, die dann aber von der Mitgliederversammlung des Kleingartenvereins abgelehnt wurde. Nun befinde man sich auf nächst höherer Ebene, auf anwaltlicher Ebene. „Ich habe aber nichts dagegen, mich mit Herrn Tresp darüber zu verständigen, welche Verfahrensschritte gegangen werden“, sagte er. Die Pachtforderungen basieren auf einem Gutachten. Hamp verweist diesbezüglich auf den Gleichheitsgrundsatz, er müsse diese Fläche so behandeln wie auch andere in der Stadt. Bezüglich einem grassierenden Gerücht, wonach die Kleingärtner der Stadt ein Dorn im Auge seien und man sie weg bekommen wolle, um der Kanumühle und der benachbarten Marina Platz zu verschaffen, widersprach Hamp vehement: „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, aber wir wollen gerechte Verhältnisse nicht

nur in dieser Anlage, sondern in der ganzen Stadt. “

 

Quelle: Nordkurier vom 25.08.2009




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