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Mirower Markt in ungewohntem Bild
Mirow. Nun sind sie ab, die Bäume auf dem Mirower Markt vor dem Hotel „Mecklenburger Hof“.
Und die Bauleute sind eifrig dabei, das Gelände zu gestalten. Und obwohl die Fällung schon über eine Woche zurück liegt, bietet der Platz noch immer ein ungewohntes Bild, an das sich Einwohner und Gäste der Stadt erst gewöhnen müssen, wie dem Nordkurier von Passanten in einer Umfrage zu den Erwartungen bezüglich der Marktgestaltung bestätigt wurde. Dabei gingen die Meinungen der Angesprochenen weit auseinander. Während die einen die Abholzung für notwendig und sinnvoll erachten, bezweifeln die anderen, dass die Bäume tatsächlich in ihrer Standfestigkeit gefährdet waren, wie es laut Gutachten hieß. Auf jeden Fall bekundeten viele die Hoffnung, dass es wieder ein schöner und lebendiger Markt werden wird.
„Im Moment sieht es, bedingt durch die Bauarbeiten, aber noch furchtbar aus“, meint beispielsweise Ruth Pergande, die seit neun Jahren in Mirow wohnt. Sie hat Verständnis für die Fällungen. „Bäume haben irgendwann auch mal ausgedient, es sollen ja wieder welche gepflanzt werden“, sagt sie. Skeptisch ist sie allerdings, ob die Anlage mit den geplanten Neuanpflanzungen künftig auch ausreichend gepflegt wird.
„Das dauert aber, ehe die kleinen Bäume wieder heranwachsen“, gibt der Retzower Gerd Schley zu bedenken, der oft seine Einkäufe in Mirow erledigt. „Na, da kommt das Eckhaus besser zur Geltung“, kann er der Sache doch etwas Positives abringen. Aber ungewohnt sei es schon, wenn man die Straße entlang kommt, sagt er. Waldtraud Wegner hofft, dass der Markt schön freundlich gestaltet wird und gleich ein paar Sitzgelegenheiten aufgestellt werden. „Die Bäume waren wohl krank, aber es ist schade drum“, bedauert sie.
Familie Heise aus Rechlin, die auch Besorgungen in Mirow machte, hatte die Veränderung noch gar nicht bemerkt. Aber: „Wenn die Bäume nicht mehr in Ordnung waren, dann ist es okay, dass sie weg sind. Aber ansonsten sei „eine grüne Lunge auch nicht verkehrt“.
Ein älterer Mirower findet da strengere Worte. „Hoffentlich wird das nicht so eine Steinwüste wie auf der anderen Seite“, sagt er im Vorbeigehen. Und ein Ehepaar, das sich dann doch nicht traut, den Namen zu nennen, geht noch härter ins Gericht: „Das ist eine Schande, dass die Bäume weg sind, die hätten noch hundert Jahre gestanden, so hohl waren die nicht.“
Der Schillersdorfer Albert Bröcker weist darauf hin, dass es äußerst unangenehm sein könne, wenn „so ein Ast runterfällt“. Das sei schlimm mit den Bäumen, die müssten alle mal weg. Die Bestände seien überaltert, glaubt er. „Es sieht doch manierlich aus, wenn neu gepflanzt wird“, fügt er hinzu. Renate Albrecht aus Roggentin hat da eine etwas andere Auffassung. „Ich kenne den Marktplatz nur mit Bäumen, mich haben die nicht gestört“, sagt sie. Sie hätte sich gewünscht, dass man die vorhandenen Bäume in die Gestaltung des Platzes einbezogen hätte. Ob der Platz wieder so schön werden wird, bleibe abzuwarten, erklärt sie.
„Ich gehe hier jeden Donnerstag zum Kartenspielen“, erzählt dagegen eine Mirowerin. „Wenn der Markt nur schön aussieht, dann ist das noch lange kein touristischer Magnet. Nur wenn er auch zu nutzen ist, dann ist es schön“, bekundet sie den Wunsch, dass der Gastwirt den Platz auch künftig wieder pachten kann. Bezüglich der Bäume meint sie: „Die Bäume mussten mal runter, was krank ist, muss weg.“
Doch gerade bei diesem Thema scheiden sich die Geister. So antwortet ein Mirower Herr, der sich das Treiben auf der Baustelle besieht, mit Galgenhumor: „Wer gesagt hat, dass die Bäume hohl sind, der ist selbst hohl im Kopf“. Und ergänzt – ohne der Bürgerinitiative zu nahe treten zu wollen: „Das ist jetzt wirklich der Platz des Freien Himmels.“
Übrigens, nachgeprüft wird nach Fällungen in der Regel nicht, ob ein Baum tatsächlich so schlecht war, wie im Gutachten beschrieben – obwohl das sicherlich möglich wäre. Einer der Mirower Stämme lag eine ganze Woche an Ort und Stelle, und viele Bürger konnten sich selbst ein Bild vom Zustand des Holzes machen. „Wir als Behörde kontrollieren nicht, ob ein Gutachten zutrifft oder nicht. Da gibt es Baumgutachter, die dafür ausgebildet sind“, hieß es aus der Pressestelle des Landratsamtes. „In diesem Fall hat das Gutachten besagt, dass die Bäume nicht mehr standsicher waren.“ Darauf müsse man sich verlassen.
Quelle: 19.10.2009




