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Lustige Ruderer-Gesellschaft macht Woblitzstadt unsicher
Wesenberg. Mehrere auffällig vornehm gekleidete Herren, die allesamt mit einem farbigen Seemanns-Säckchen in der Hand nacheinander im Strandrestaurant am „Weißen See“ in Wesenberg auftauchten und dabei stolz einen Käse auf dem Kopf trugen – was es damit auf sich hatte?
Ja, wirklich, Sie haben richtig gelesen. Ein Käse, auf dem Kopf. So nämlich heißt die weiße Mütze in der Fachsprache nach alter Tradition, wie zu erfahren war. Bei der Männerrunde handelte es sich nämlich um eine Ruder(jung)herrenfahrt von knapp einem Dutzend in die Jahre gekommener Herren, die aus Rüdersdorf zwischen Berlin und Frankfurt/Oder stammen. Sie hatten sich für ihre Herbstpartie 2009 die Mecklenburger Seenplatte ausgesucht. Nachdem sie Jahre zuvor schon die Region um Rheinsberg erkundet hatten, bezogen sie diesmal in einem Feriendomizil an der Wangnitz Quartier. Von dort aus brachen sie mit dem Boot Richtung Wesenberg auf, um in der Woblitzstadt zünftig zu speisen und einmal ohne weiblichen Anhang sich ganz dem Rudererlatein hinzugeben.
Dass sie in traditioneller Kleidung unterwegs waren, ist eine Frage der Ehre. „Früher, so um 1900, da waren die Ruderer noch was“, schwärmte Manfred Schätze, einer aus der Runde. „Da gab es auch noch ein paar Knaben, die die Boote herbeigetragen haben.“ Heute müssten sie als stramme Kerle alles selber machen, bedauerte er. Ebenfalls nach alter Tradition ließen die Männer nach deftigem Eisbein-Schmaus einen gläsernen Stiefel rundgehen. Gefüllt war er mit einem kühlen Blonden. Beim Durstlöschen schauten alle ganz genau zu. Jedermann wartete nur darauf, dass beim Trinkenden Blubberblasen im Glas aufstiegen. War das der Fall, „durfte“ der gute Mann gleich einen Euro in den mitgeführten, mindestens ebenso auffälligen Pinkeltopf plumpsen lassen. Und der war am frühen Nachmittag bereits gut gefüllt.
Was die Herrengesellschaft mit den schwer verdienten Talern vor hatte? Am Abend, zurück im Quartier, stand ein Tanz-Vergnügen auf dem Programm. Schließlich hätten die Ausflügler nicht oft Gelegenheit, ganz unter sich zu sein, wie sie betonten. Und zwei Tage später wollten sie sich schon wieder zu Hause als brave Ehemänner um den Abwasch kümmern…
Quelle: Nordkurier vom 19.10.2009




