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Flockenpracht noch unter Rekordmarke
Das ist nicht ganz der Rekord vom Februar 1979, in dem in Serrahn stolze 66 Zentimeter Schnee lagen. Aber der diesjährige Wert ist durchaus beachtlich. Und was noch beachtlicher ist. Beide Werte wurden von derselben Person ermittelt: Von Dorothea Weber. Die agile Frau, die gestern ihren 78. Geburtstag gefeiert hat, ist seit 1953 Wetterbeobachterin für den Deutschen Wetterdienst. Damit steht sie auf der Liste der "Top Ten" der langjährigen Wetter-Beobachter bundesweit sehr weit oben, immerhin auf Platz sechs, sagt Jörg Liebing vom Deutschen Wetterdienst aus Potsdam.Der diesjährige Winter ist für Dorothea Weber ein schöner, wie sie sagt. Sie liebt diese Jahreszeit, so wie sie sich jetzt im weiß bemützten Serrahn zeigt. Aus ihrem Haus mit den schönen großen Fenstern blickt sie auf dick verpackte Baumkronen, auf glitzernde Eiszapfen an grünen Efeuranken, auf den stolzen Lebensbaum vor dem Hauseingang, der ihr Domizil behütet erscheinen lässt. Und sie blickt besonders gern auf die zwitschernde Schar gelbbäuchiger Kohlmeisen, auf Amseln und Kernbeißer, die sich vor ihrem Küchenfenster um Futterkerne balgen. Der allmorgendlich wichtigste Blick gehört aber seit über 50 Jahren pünktlich um 7 Uhr dem Niederschlagsbehälter im Garten. In diesem Jahr wird seit Anfang Januar täglich auch die Höhe des Schnees gemessen und es wird notiert, was tagsüber so "von oben" gekommen ist.Monatlich tütet die Serrahnerin die Messergebnisse ein und schickt sie zum Deutschen Wetterdienst nach Potsdam. Noch genau erinnert sich Dorothea Weber an den legendären Winter 1979. "Damals hatten wir weder Wasser noch Strom und mussten uns den Schnee auftauen", erzählt sie. Anfang der 50-Jahre ist die Familie nach Serrahn gezogen. Dorothea Webers Mann leitete dort die Biologische Station. Zunächst hat ihr Mann auch die Werte ermittelt. Später übernahm Dorothea Weber die Arbeit. Wetterprognosen gibt sie trotz aller über die Jahre gesammelter Erfahrungen übrigens nicht ab. "Das überlasse ich lieber den Experten", sagt sie. Aber sie erinnert sich auch an eine Begebenheit zu DDR-Zeiten. Als ihr Mann einmal öffentlich andeutete, dass es einen strengen Winter geben könnte, fühlte sich die Staatsmacht gleich beleidigt. Die längste geschlossene Schneedecke seit 1953 ist in Serrahn im Jahr 1970 von Januar bis Ende März beobachtet worden, weiß die Statistik. Den meisten Schnee an einem Tag hat es nach den Aufzeichnungen von Dorothea Weber am 31. Januar 2003 gegeben, wo 23 Zentimeter in 24 Stunden fielen. Im Landkreis gibt es zurzeit acht Wetterstationen. Dorothea Weber ist hier die dienstälteste Beobachterin. Die älteste Station steht in Kratzeburg, sie ist seit 1936 aktiv. Eine automatisch arbeitende Einrichtung befindet sich in Feldberg. Jörg Liebing vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam macht gegenüber dem Nordkurier übrigens darauf aufmerksam, dass weiße Winter in den vergangenen Jahren zwar selten waren, aber nicht seltener geworden sind. Weiße Weihnachten gebe es nach den Erfahrungen aus den Potsdamer Wetterbeobachtungen seit 1893 nur alle vier bis fünf Jahre. Für Liebing, der die Stationsbeobachter in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betreut, ist an diesem Winter besonders, dass er sich so auf den Norden konzentriert. Aber für diese Woche deutet sich wohl eine Erwärmung an...
Quelle: Nordkurier vom 15.02.2010




