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"Verschollene" Millenniums-Briefe zugestellt
Wesenberg. Eine geheimnisvolle Kiste wurde jetzt im Waldrestaurant und Hotel Johannesruh in Neu Drosedow geöffnet.
Vor zehn Jahren waren darin Briefe privaten Inhalts, bestimmt für verschiedene Personen, sorgfältig verstaut worden. Das Behältnis wurde seinerzeit in feierlicher Zeremonie auf der Wesenberger Burg geschlossen, und geriet fast in Vergessenheit. Aber eben nur fast, denn Initiatorin Birgit Bauer aus Johannesruh, die das Wesenberger Muttelstübchen betreibt, wusste sehr wohl noch, zu welcher Aktion sie anlässlich der Jahrtausendwende aufgerufen hatte. Schließlich wurde der überdimensional große Truhenschlüssel im Muttelstübchen aufbewahrt. Und Birgit Bauer wollte ihr Versprechen halten. Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Ingrid Lembke sowie Hannelore Westfalen von der Villa Pusteblume, die auch beim Packen der Kiste dabei waren, wurde die Luke der von Lars Schmidt handgezimmerten Truhe genau nach zehn Jahren, zehn Tagen und zehn Stunden aufgemacht. Zum Vorschein kamen jene 189 Briefe, die Wesenberger und Urlauber an Personen adressiert hatten, die ihnen besonders am Herzen lagen. Sie hatten nieder geschrieben, was auf der Seele brannte - wohlwissend, dass der Adressat den Inhalt erst nach zehn Jahren lesen kann. Manch Empfänger ist heute leider nicht mehr auffindbar. Dennoch, das Gros der Adressaten bekam dieser Tage Post. Und es erreichten Birgit Bauer auch schon erste Reaktionen: Die Bedachten freuten sich riesig, weil sie die zehn Jahre alten Zeilen, Gedanken, Gefühle, Tagebuchaufzeichnungen und vielleicht auch manches Liebes-Bekenntnis in dieser Form nicht erwartet wurden. Den Ausschlag für die Aktion hatte damals eine Dame gegeben, die 1999 im Muttelstübchen ratlos ein Geschenk für ihre elfjährige Enkelin suchte. Die Dame sei traurig gewesen, weil sie sonst keinen Kontakt zu dem Mädchen hatte. "Um ihr seelisch weiter zu helfen" riet ihr Birgit Bauer einen Brief zu schreiben, sich alles von der Seele zu reden und zehn Jahre zu warten. "Mit 21 versteht man viel mehr", begründete sie ihren Gedanken, aus dem die Kisten- Aktion geboren wurde. Mit Aushängen und Mund-zu Mund-Propaganda wurden viele Wesenberger und Gäste aufmerksam, und am 1. Januar 2000 nach der Neujahrswanderung bei Lagerfeuer und Glühwein die vielen Briefe entgegen genommen. Zur Feier des Tages konnte auch der Wesenberger Erbentaler in Zinn oder Silber erworben werden - ein Münzstück, das die Männer von Wallentin & Partner mit spezieller Presse damals prägten.
Quelle: Nordkurier vom 23.02.2010




